Ein Treppenlift und fast ein Genickbruch

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Ich war gestern mal wieder in Hamburg, in der Innenstadt, mal nicht an der Mönkebergstraße  oder in der Spitalerstraße, auch nicht an der Binnenalster. Ich war mal dort, wo sich die Schönen und die Reichen so herumtreiben – am Neuen Wall und Große Bleichen. Da ist alles chic und teuer. Im Schaufenster bei Gucci gab es Bekleidung zu sehen, die ich nicht mal zum Karneval tragen würde.  In einem Lampengeschäft dort gibt es Designerstücke, die kosten mehr als ein Monatsgehalt beispielweise einer Krankenschwester oder eines Physiotherapeuten. Aber jedem das seine! Mir fehlt nichts, wenn ich das nicht habe. An den Großen Bleichen gibt es zwei Absätze im Weg entlang dem Fleet, mit Treppen. Aber man hat da tatsächlich auch an die Rollstuhlfahrer gedacht. Leider aber nur gut gedacht….

Es gibt dort nämlich Treppenlifte, die auch sehr hübsch sind und sich vom Design her gut in die Umgebung einpassen. Nun kommt das große ABER: Benutzen kann ein Rollstuhlfahrer diese Treppenlifte nicht selbständig. Er muss eine auf einem leider schon recht ausgeblichenen Schild stehende Telefonnummer eines Bekleidungsgeschäftes anrufen. Dann kommt eine sehr nette Mitarbeiterin des Geschäftes mit dem Schlüssel für den Lift. Der wird in eine Bediensäule gesteckt und es wird ein kleiner Drehschalter betätigt. Nun sollte sich eigentlich etwas bewegen. Tat es aber nicht. Es war gerade ein Hausmeister in der Nähe, der sich des Problems annahm An der Bediensäule gibt es einen Notaus-Knopf. Den hatte vermutlich irgendjemand gedrückt. Der Hausmeister verschwnad im Keller, wo er den Notaus vermutlich zurücksetzen kann. Als er wieder kam, wollte der Lift zunächst noch nicht funktionieren. Der Notaus-Knopf musste erst mal wieder rausgezogen werden. Dann setzte sich das Wunderwerk der Technik in Bewegung. Toll!

Der Hausmeister begleitete mich dann zum zweiten Treppenabsatz, wo er wiederum in einem Laden zunächst den Schlüssel holen musste. Auch hier zickte der Lift erstmal rum. Der Hausmeister war noch sehr auf die Bediensäule konzentriert, als der Lift sich in Bewegung setzte. Darum bemerkte er auch nicht, dass hinter ihm ein Stehtisch zur Hälfte mit dem Fuß auf der Liftplattform stand. Zum Glück sah ich aber, wie der Tisch anfing zu kippen und die darauf stehende Glasvase anfing zu rutschen. Ich rief ihm zu „Vorsicht“! Und er konnte noch ausweichen. Andernfalls wäre ihm den Tisch mit der Kante ins Genick gestürzt und die Vase wäre ihm auf dem Kopf zerschellt.

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Die Liftplattform ist hochgefahren. Im Vordergrund steht ein Aschenbecher, der vom Tisch gefallen ist. Hinten liegen noch Scherben von der zerbrochenen Vase. Neben der Liftplattform steht der Stehtisch, der dem Hausmeister das Genick hätte brechen können.

 

Ich mag mir gar nicht vostellen, was die Konsequenzen gewesen wären. Der Mann hätte tot sein können! Das nur, weil ein Gastronom meinte, dass er den Liftbereich als zusätzliche Stellfläche benutzen kann. Ich weiß nicht, ob es der Gastwirt selber oder einer seiner Mitarbeiter war, der nach draußen geeilt kam, weil er vermutlich das Scheppern der zerbrechenden Vase gehört hatte. Er war sich vermutlich gar nicht im Klaren darüber, in welche Gefahr er den Hausmeister gebracht hatte. Im Gegenteil, er war erstens sauer, dass seine Vase kaputt gegangen war und meinte zweitens noch, dass man den Tisch doch wegnehmen müsse, bevor man den Lift betätigt. Als ob es das normalste von der Welt wäre, eine Liftplattform mit einem Tisch zu blockieren….

Ich finde es klasse, dass man hier an Rollstuhlfahrer und Leute mit Rollator oder Kinderwagen gedacht hat! Es ist aber sehr schade, dass die Umsetzung so schlecht ist, zumal hier vermutlich sehr viel Geld in die Hand genommen worden ist. Sinnvoll ist so ein Lift nur, wenn man ihn ohne großen Aufwand auch außerhalb der Öffnungszeiten der Geschäfte nutzen kann und wenn er zuverlässig funktioniert. Die ständige Verfügbarkeit  – zumindest für Rollstuhlfahrer könnte man mit Hilfe des Euroschlüssels gewährleisten. Es bleibt  aber das Problem mit dem Notaus-Knopf und dass der so angebracht ist, dass auch ein kleines Kind mal eben im Vorbeigehen da drauf drücken kann. Was natürlich überhaupt nicht geht, dass ein Gastronom seine Tische auf den Lift stellt. Außerdem hätte ich mit einem größeren Rollstuhl den zweiten den Lift nicht nutzen können, weil oben eine Sonnenliege und unten ein Blumenkübel im Weg waren.treppenlift hamburg 3

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Der lange Weg zum Flugticket für Behinderte bei Airfrance /KLM

Wenn einer eine Reise tut…

Reisen mit einer Behinderung ist immer wieder eine spannende Angelegenheit – es gibt  eine Menge Realsatire über Bahnreisen mit dem Rollstuhl oder Rollator, über die die Betroffenen sich erst wenn sie es unbeschadet überstanden haben, ein zynisches Lächeln abringen können. In diesem Artikel geht es aber mal nicht um die deutsche Bahn, die ist ein anderes Mal dran. Hier soll es um Fliegen mit Handicap gehen.

Konkret geht es um Airfrance /KLM: Ich fliege öfter mal nach Südfrankreich, nach Toulouse. Los geht es mit der Buchung des Tickets im Internet – mittlerweile ja der übliche Weg. Am Anfang steht die Suche nach einem Flug, der einigermaßen kostengünstig ist. Zum Glück gibt es wieder Direktflüge zwischen Hamburg und Toulouse, das macht die Reise nicht nur finanziell sondern auch zeitlich wieder attraktiver. Und ist außerdem nicht so anstrengend und nervenaufreibend wie ein Flug über Frankfurt, München, Amsterdam oder Paris.

Der gewünschte Flug ist also gefunden. Nun geht es weiter mit der Buchung, Bestätigung, dass es der Flug sein soll, Eingabe der persönlichen Daten usw. Bei der Frage nach der Art der Bezahlung gibt es zwei Auswahlmöglichkeiten, die Zahlung über die Kreditkarte und das super bequeme Direkt-Onlinebanking.Eine schon lange außer Dienst gestellte Concord von Airfrance, auf dem Airbus-Gelände in Toulouse Blagnac.

Dann gibt es die Möglichkeit anzugeben, dass ein „Mobilitätsservice“ wegen Behinderung benötigt wird – sehr lobenswert! ABER: Wer das anklickt, muss seine Buchung nun etwas anders fortsetzen als jemand ohne Handicap. Als nächstes kommt nämlich schon die Buchungsbestätigung. Ja, und wo und wie bezahle ich nun? Wo ist das super bequeme Direkt-Onlinebanking? Gibt es das bei der Buchung als mobilitätseingeschränkte Person nicht?  – Nein, das gibt es nicht.

Als nächstes setzt sich der „Saphir-Service“, der Behinderten-Service von Airfrance / KLM mit dem Kunden in Verbindung. Allerdings nicht sofort, das kann durchaus ein paar Tage später sein. In einem konkreten Fall musste der Kunde, nachdem er „Saphir“ telefonisch schon die Abmessungen des Rollstuhls mitgeteilt hatte, den Behindertenservice noch einmal anrufen, nachdem er eine E-Mail erhalten hatte, in der ihm die RESERVIERUNG seines Fluges mitgeteilt wurde. Ganz am Ende der E-Mail kurz vor der Grußformel stand noch die Bitte, sich telefonisch noch einmal bei „Saphir“ zu melden wegen der Bezahlung des Tickets:

„AIR FRANCE VOUS INFORME QUE L ASSISTANCE REQUISE EST CONFIRMEE

VOTRE FAUTEUIL PERSONNEL EST ACCEPTE GRATUITEMENT EN SOUTE

MERCI DE NOUS CONTACTER AU 0820 01 24 24

AVANT LE 27 JUILLET 18H30

POUR PROCEDER AU REGLEMENT DU BILLET

CORDIALEMENT

AIR FRANCE SAPHIR“

(So groß und übersichtlich, wie hier dargestellt,  kann man das in der E-Mail leider nicht lesen)

Der Kunde hat die E-Mail, die ansonsten seine persönlichen Daten und die Flugdaten und die Tatsache, dass er mit Rollstuhl reist enthielt, soweit auf ihre Richtigkeit überprüft. Dass es sich aber lediglich um eine Reservierung und immer noch nicht um die richtige Buchung handelte, war ihm nicht klar. Er war nämlich so unhöflich, nicht bis zur Grußformel zu lesen. Darum entging ihm, dass er noch einmal – innerhalb von 24 Stunden – einen kostenpflichtigen Anruf tätigen sollte, um sein Ticket endlich bezahlen zu können, was jeder der ohne  Mobilitäts-Service reist, schon längst  – ganz bequem über Direkt-Onlinebanking – getan hätte.

Der Kunde wunderte sich ein wenig, weil er ja immer noch nicht bezahlt hatte. Außerdem hatte er noch im Hinterkopf, dass er doch ein E-Ticket zugemailt bekommen sollte. Die Zeit bis zum gewünschten Anruf war natürlich lange verstrichen, als ihm das doch alles merkwürdig vorkam und er noch einmal bei „Saphir“ anrief. Dort wurde ihm dann mitgeteilt, dass der Flug nicht mehr für ihn reserviert sei und dass er neu und zum jetzt gültigen Preis buchen müsse. Das Abflugdatum war inzwischen näher gerückt und der Flug dadurch schon fast doppelt so teuer geworden. Wer am Telefon mit „Saphir“ die Bezahlung regelt, kann übrigens nur mit Kreditkarte bezahlen, Onlinebanking geht nicht. Die Lösung heißt dann: Den Flug noch einmal auf normalem Weg online zu buchen und zu bezahlen und erst anschließend „Saphir“ zu kontaktieren.

Mein Fazit: Die Fluggesellschaften haben eine Beförderungspflicht für jeden Passagier mit einem gültigen Ticket, auch für diejenigen, die eine Behinderung haben. Künftig werde ich also immer ganz normal meinen Flug buchen und mich zum Flughafen begeben. Dann sollen sie doch sehen, wie sie mich und meinen Rollstuhl ins Flugzeug kriegen. Eltern mit Kleinkindern, die mit Karre und Kindersitz reisen, müssen ja auch nicht über Umwege buchen.