Behindertenparkplatz – wer darf da eigentlich parken?

„Wenn Du meinen Parkplatz willst, dann nimm auch mein Handicap“, steht in Frankreich häufiger mal an Behindertenparkplätzen. Leute, die dort unberechtigt parken, sollen so zum Nachdenken angeregt werden. Und es sind leider immer noch viel zu viele, die glauben, dort parken zu dürfen oder, die sich einfach das Recht dazu nehmen, weil sie „ja nur ganz kurz“ mal eben da stehen. In diesem Artikel möchte ich erklären, wer einen Behindertenparkplatz benutzen darf. Das ist nämlich ganz klar geregelt. Wer sich nicht daran hält riskiert, 35 Euro zahlen zu müssen und abgeschleppt zu werden. Aber zunächst einmal einiges Grundsätzliches zu Behindertenparkplätzen:

Behindertenparkplätze haben ihre Berechtigung. Sie sind breiter als gewöhnliche Parkplätze. Wenn der für den Bau verantwortliche mitgedacht hat, ist der Untergrund auch so gestaltet, dass ein Befahren mit dem Rollstuhl nicht erschwert ist, dies auch, wenn alle anderen Parkflächen  mit Kopfstein gepflastert sind.  Nach DIN 18024 -1, die sich auf Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrsanlagen und öffentlich zugängige Grünanlagen sowie Zugänge zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Spielplätzen bezieht, soll der Bewegungsraum neben der Längsseite des Autos eines Rollstuhlfahrers mindestens 150 Zentimeter groß sein. Das ist nötig, um beispielsweise eine Autotür weit genug öffnen zu können, dass ein Umsetzen aus dem Rollstuhl ins Fahrzeug möglich ist, ebenso wie das Verladen des Rollstuhls. Ich persönlich würde noch weiter gehen und fordern, dass ein Behindertenparkplatz auch länger sein muss als ein anderer: Wenn das Fahrzeug nämlich von hinten über eine Rampe bestiegen wird oder über eine Verladehilfe für den Rollstuhl verfügt, sind an der Kofferraumseite mindesten zwei Meter Platz erforderlich! An Behindertenparkplätzen, die sich in Parkstreifen parallel  zur Straße befinden, sollte es eine Bordsteinabsenkung geben. Nicht jeder Rollifahrer kann einen Kantstein ohne fremde Hilfe überwinden.

Nun zu der Frage, wer einen Behindertenparkplatz benutzen darf: Europaweit gibt es einen blauen Parkausweis, der zur Nutzung von Behindertenparkplätzen berechtigt. Auf der Vorderseite befinden sich das Rollstuhlsymbol und der Länderbuchstabe umgeben von den EU-Sternen, es steht darauf, wie lange er gültig ist, die Parkausweisnummer und die Ausstellungsbehörde. Auf der Rückseite befinden sich Name und Unterschrift des Parkausweisinhabers, außerdem ein Passfoto.  Seit 2011 ist nur noch der Europäische Behindertenparausweis mit Foto gültig! Nur mit diesem  darf eine mit dem Rollstuhlsymbol gekennzeichnete Parkfläche genutzt werden! Wer den nicht hat, riskiert ein Knöllchen – 35 Euro, in Frankreich beispielweise sogar 135 Euro, sind dann fällig. Außerdem kann das Auto jederzeit abgeschleppt werden. Dafür fallen dann auch noch Kosten an.

Den blauen Parkausweis stellt gewöhnlich das Ordnungsamt am Wohnort der behinderten Person aus. Die Voraussetzung dafür ist ein Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“oder „Bl“. Den wiederum stellt bei entsprechender Voraussetzung das Versorgungsamt aus. Das Merzeichen aG bedeutet außergewöhnliche Gehbehinderung, Bl steht für Blind. Es reicht aber nicht aus, den entsprechenden Schwerbehindertenausweis ins Auto zu legen. Gültig für den Behindertenparkplatz ist nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung zu   § 46 Abs.1 Nr. 11 STVO nur der blaue Parkausweis!

Auch für Menschen mit anderen Behinderungen gibt es Parkerleichterungen. Es gibt dafür gelbe bzw. orange Parkausweise. Die Voraussetzungen dafür im Einzelnen aufzuführen, würde zu weit gehen, zumal es hierzu in den einzelnen Bundesländern auch unterschiedliche Regelungen gibt. Wer dazu mehr wissen will, erkundigt sich am besten bei seinem Ordnungsamt oder auf der Internetseite des Behindertenbeauftragten des entsprechenden Bundeslandes. Diese gelben oder orangen Ausnahmegenehmigungen zur Parkerleichterung gelten aber nicht auf  Behindertenparkplätzen! Das ist auch den Beiblättern zu entnehmen, die es zu den gelben und orangen Parkausweisen gibt. Ein guter Link, der auch noch einmal erklärt, wer auf Behindertenparplätzen stehen darf ist der folgende:

http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9229/behindertenparkplaetze

Als letztes vielleicht noch: Angehörige von Menschen mit einem blauen Parkausweis dürfen Behindertenparkplätze nur benutzen, wenn die behinderte Person dabei ist!

Behinderungen beim Einkaufen

Menschen mit Handicap sind offenbar keine Kunden. Jedenfalls nicht in normalen Geschäften – vielleicht ja im Internet. Aber nein, auch da ist es mitunter schwierig, einen Einkauf zu tätigen. Barrieren  oder Be- beziehungsweise Verhinderung gibt es überall. Das fängt an mit sichtbaren Barrieren wie beispielsweise Stufen am Eingang, die schon mit einem Rollator schwer zu überwinden sind und mit dem Rollstuhl für ungeübte immer bedeuten, dass sie um Hilfe bitten müssen, insbesondere dann wenn die Tür zusätzlich noch besonders schwer ist. Auch Rampen sind manchmal leider nur gut gemeint, weil sie aus Platzgründen viel zu steil sind.  Unübersichtlichkeit oder komplettes Umstellen von Regalen und Waren vor allem in größeren Supermärkten und Discountern macht Menschen mit Einschränkungen in der Orientierung oder mit einer Sehschädigung das Leben schwer. Dazu kommt noch, dass häufig zu wenig Personal da ist, das um Hilfe gebeten werden könnte. Kopfschütteln und Achselzucken sind oft die Antwort auf die Frage, ob es eine Toilette gebe. „Wir haben nur eine Personaltoilette und da darf ich Sie nicht drauf lassen“. Eine Situation, die auch so manche hochschwangere Frau schon erlebt hat, die sich dann irgendwo am Ende des Parkplatzes im Gebüsch erleichtert hat. Auch einige invalidisierende Krankheiten machen es erforderlich, schnell ein Örtchen aufsuchen zu können.

Trotz aller Wünsche nach Inklusion ist es natürlich nicht möglich, von heute auf morgen alle Einkaufsmöglichkeiten barrierefrei zu machen und doch ließe sich Vieles mit geringem Aufwand verbessern. Das fängt an mit den Behindertenparkplätzen, die manchmal sogar vorhanden sind, aber an ungünstiger Stelle oder mit Pflastersteinen als Untergrund oder viel zu schmal. Warum werden nicht einfach mal behinderte Kunden gefragt, wie und wo sie den Behindertenparkplatz bräuchten? So wie es ist, wirkt es oft gewollt und nicht gekonnt. Im April 2009 war Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange Behinderter, beispielsweise hocherfreut darüber, dass ein Lidl-Markt in Unna in seinem Wahlkreis (Hüppe ist Mitglied des Bundestags für die CDU) die Behindertenparkplätze behindertenfreundlicher angeordnet hat.  Sollte es nicht selbstverstänlich sein, dass Behindertenparkplätze behindertenfreundlich sind?

Das nächste Problem ist die Unübersichtlichkeit vor allem in Supermärkten. Natürlich sollen die Leute kaufen und sie sollen das Gefühl haben, dass es alles gibt und alles in unbegrenzter Menge. Aber leichter wird das Einkaufen dadurch nicht – erst recht nicht für Menschen, die in ihrer Wahrnehmung oder der Orientierung eingeschränkt sind. Sehr lange und hohe Regalreihen erschweren es die Ware zu finden. Wenn dann ein ganzer Laden komplett umgeräumt wird (hier bei uns gerade AldiNord und Penny), ist es schon für einen Menschen ohne Einschränkungen schwierig. Ein Blinder oder Sehgeschädigter muss sich mit Hilfe einer Begleitung komplett neu orientieren und sich die neuen Plätze neu einprägen. Ähnlich ist es, wenn bei Waren die Verpackung geändert wird.

Ein Problem, dass einigen Drogeriemärkten schon aufgefallen ist, ist die geringe Schriftgröße auf vielen Artikeln. Mit einer ständig älter werdenden Bevölkerung ein Problem, dass nicht zu vernachlässigen ist. Wird doch mit zunehmendem Alter fast jeder weitsichtig. Besagte Drogeriemärkte wussten sich auch zu helfen: Sie haben an ihren Einkaufswagen Lupen angebracht. Es wäre doch hilfreich, wenn es das auch im Supermarkt gäbe. Auf Medikamentenpackungen steht zumindest der Name der Medizin auch in Blindenschrift. Warum nicht auch auf der Kekspackung oder den Cornflakes.

Einkaufswagen! Es gibt sie häufig als kleine Autos für Eltern mit Kindern oder im Miniformat, damit die Kinder selber schieben können oder sogar mit einem Platz für den Babysitz aus dem Auto. Das ist nichts Ungewöhnliches mehr. Die Mini-Einkaufswagen gab es sogar schon vor über 30 Jahren. Aber es gibt auch Einkaufswagen für Menschen mit Gehbehinderung. Da gibt es zum einen die, die wie ein Rollator benutzt werden können und eine kleine Sitzfläche haben. Und dann gibt es die für Rollstuhlfahrer. Davon gibt es unterschiedliche Modelle. Einmal den Wagen der vom Rollifahrer geschoben wird, während er selber geschoben wird oder den Wagen der über eine augeklügelte und trotzdem einfache Befestigung verfügt, mit der er vorne an den Rollstuhl geklemmt wird. Der Rollifahrer hat damit die Hände zum selber fahren frei. Leider sind diese Einkaufswagen noch nicht sehr weit verbreitet, obwohl sie doch sicher gut fürs soziale Image eines Geschäftes wären.

Hilfreich in jedem Geschäft wäre auf jeden Fall nicht nur für Kunden mit Handicap ausreichend freundliches, gut ausgebildetes und hilfsbereites Personal, dass nicht zu aufdringlich und vor allem frei von Vorurteilen ist.

Der Euro-Schlüssel für Behindertentoiletten

Der Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt e.V.  (CBF) entwickelte 1986 das Konzept zum einheitlichen Schlüssel für Behindertentoilette (den Euroschlüssel).  Das ist grundsätzlich ja eine tolle Idee, bedeutet es doch, dass die Toiletten nicht ausgerechnet dann, wenn es besonders drängt mal wieder von einem nicht behinderten besetzt sind, dass sie weniger verschmutzt oder kaputt gemacht sind etc..

Ein echtes Problem sind Behindertentoiletten mit Euroschlüssel allerdings für diejenigen behinderten Menschen, die keinen Euroschlüssel besitzen. Der Schlüssel wird nämlich leider nicht zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis mit den entsprechenden Merkzeichen ausgehändigt. Es gibt beim Versorgungsamt auch nur auf konkrete Nachfrage Auskunft, wo der Schlüssel zu beziehen ist. Darüber hinaus kostet er immerhin 18 Euro. Für den einen oder anderen, der mit einer kleinen Rente oder Hilfe zum Lebensunterhalt klar kommen muss ist das viel Geld. Zum Problem wird der Euroschlüssel auch dann, wenn er beispielsweise für einen Aufzug oder Treppenlift benötigt wird, und der Betroffene ihn nicht hat.

Vielerorts sind die einzigen erreichbaren Behindertentoiletten nur mit dem Euroschlüssel zu benutzen, manchmal gibt es gleich nebenan Toiletten für nichtbehinderte, die nicht verschlossen sind (- glücklich für die Rollifahrer, die noch ein paar Schritte laufen können – ). Beispielweise in Travemünde an der Ostsee ist das so. (Wie gut, dass das Personal eines in der Nähe gelegenen Hotels, das über eine Behindertentoilette verfügt, sehr freundlich und hilfsbereit ist!)

Es muss eine andere Lösung her! Der Euro-Schlüssel an sich ist eine gute Sache! Aber er müsste auch jedem, der ihn benutzen darf, zur Verfügung stehen.  In Östereich beispielweise wird der Schlüssel bei entsprechenden Vorraussetzungen kostenlos abgegeben. Dann sollte vielleicht grundsätzlich zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis ein Flyer ausgegeben werden, in dem darüber informiert wird, wo der Euro-Schlüssel zu beziehen.

In Deutschland bekommen Schwerbehinderte den Euro-Schlüssel hier: (entnommen der Homepage des CBF: http://www.cbf-da.de/)

Von wem bekommt man einen Toilettenschlüssel für die

Behinderten-WC´s?

Vom Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt e.V. (CBF)!

Der CBF Darmstadt entwickelte und setzte 1986 das Konzept zum einheitlichen Schlüssel für Toiletten in Raststätten auf Autobahnen usw. Nun vertreiben wir zentral in Deutschland und im europäischen Ausland den EURO-Toilettenschlüssel.

Der CBF ist darauf bedacht, dass der Schlüssel Menschen mit einer Behinderung ausgehändigt wird, die auf behindertengerechte Toiletten angewiesen sind. Das sind z.B.: schwer Gehbehinderte; Rollstuhlfahrer; Stomaträger; Blinde; Schwerbehinderte, die hilfsbedürftig sind und gegebenenfalls eine Hilfsperson brauchen; an Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Menschen mit chronischer Blasen- / Darmerkrankung. Auf jeden Fall erhält man einen Schlüssel, wenn im Schwerbehindertenausweis

  • das Merkzeichen: aG, B, H, oder BL
  • G und 70% aufwärts, 80, 90 oder 100%

enthalten ist.

Um Missbrauch zu vermeiden, muss bei der Bestellung des EURO-Schlüssels eine Kopie des Schwerbehindertenausweises, bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein ärztlichen Nachweis an den CBF Darmstadt gesandt werden. Die Preise sind:

  • EUR 18,- für einen EURO-Toilettenschlüssel oder
  • EUR 25,- für den Schlüssel und das Verzeichnis „DER LOCUS“
  • EUR 8,- für den Behindertentoilettenführer „DER LOCUS“ als Einzelexemplar

Porto und Verpackung sind darin enthalten. Nutzen Sie auch unser Online-Bestellsystem unter

www.cbf-darmstadt.de

Die Kopie des Schwerbehindertenausweises schicken Sie bitte an folgende Adresse:

CBF Darmstadt e.V.
Pallaswiesenstr. 123a
64293 Darmstadt

Trifft die Ausweiskopie beim CBF Darmstadt ein, erhält der Absender unverzüglich den Schlüssel und / oder den Behindertentoilettenführer „DER LOCUS“ zugeschickt. Es enthält über 6.700 Toilettenstandorte in Deutschland und Europa.

Behinderten- oder ähnliche Einrichtungen können den EURO-Toilettenschlüssel auf Rechnung erhalten; das Einreichen der Ausweiskopie entfällt hier.

Auch in der Rehaklinik mal nachfragen

Zur Zeit bin ich in den Schmieder Kliniken in Allensbach zur Reha. Hier habe ich einen Hinweis am Schwarzen Brett entdeckt, dass der Euroschlüssel hier in der Klinik auch erhältlich ist.