Behinderungen beim Einkaufen – wie es weiter geht

Zunächst einmal zu den Einkaufswagen für Rollstuhlfahrer:  Die Discounter haben inzwischen keine weitere Rückmeldung gegeben.  Netto teilte mir mit, dass der zuständige Mitarbeiter noch bis Mitte des Monats im Urlaub sei und sich danach bei mir melden werde.

Gestern war ich hier bei uns im Ort bei Edeka einkaufen. Ich gehöre da zur Stammkundschaft und man kennt mich auch noch ohne Rolli. Zum Einkaufen komme ich jetzt immer entweder mit meinem Handbike mit Korb vorne daruf und großer Einkaufstasche hinten am Rollstuhl oder eben im Rollstuhl mit einem Korb auf dem Schoß, den ich mir mit einem Gurt um den Rumpf befestige, damit nichts runterfällt. Getränkekisten werden mir immer sehr freundlich ins Auto getragen. Ich brauche nur an der Kasse zu sagen, was ich haben möchte. Gestern nun habe ich die Ladeninhaberin mal auf einen Rollstuhlfahrer-Einkaufswagen angesprochen und sie war ganz erstaunt, dass es so etwas gibt. Da wir hier im Ort ziemlich viele Rollstuhlfahrer haben, darf ich mich vielleicht bald über einen Rollifahrer-Einkaufswagen freuen. Ich warte mal ab.

Einen größeren Bedarf scheint es wohl auch an Einkaufswagen mit Lupe zu geben. In der Statistik zu meinem Blog finde ich bei den Suchbegriffen, die die Leute hierher führen, jedenfalls sehr häufig den Begriff „Einkaufswagen mit Lupe“. Das liegt wohl einerseits daran, dass das nichts Behindertenspezifisches ist (irgendwann leiern bei uns allen die Augenmuskeln aus) und zum zweiten, dass die Schrift auf vielen Produkten einfach zu klein ist, gerade auch wenn es um Inhaltstoffe geht. Vielleicht sollte ich, wenn ich mich weiter um die Rollstuhleinkaufswagen kümmere, die Konzerne auch mal auf den Lupenbedarf hinweisen.

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Behinderungen beim Einkaufen – wird sich etwas ändern?

In meinem letzten Blog-Artikel habe ich unter anderem von Einkaufwagen für Menschen mit Behinderung geschrieben. Da ich selber im Rollstuhl einkaufen gehe, freue ich mich immer, wenn es einen für mich benutzbaren Einkaufswagen gibt. Das ist bisher aber leider noch sehr, sehr selten der Fall. Famila in Stockelsdorf (ein Vorort von Lübeck) hat sogar mehrere Rollifahrer-Einkaufswagen und beim Citti-Markt haben sie auch welche.  Ansonsten genieße ich es immer, wenn ich in Frankreich bin, einkaufen zu gehen. Im Einkaufscentrum Blagnac, nahe dem Toulouser Flughafen, gibt es auch die tollen Wagen. Und im kleinen Örtchen Verdun sur Garonne hat der Intermarché auch welche.

Aber weder in Stockelsdorf noch in Frankreich gehe ich regelmäßig einkaufen. Wie jede Familienmutter suche ich gewöhnlichdie Discounter oder Supermärkte in meinem Wohnort auf. Von denen hat aber leider keiner so einen Einkaufswagen. Darum bin ich jetzt aktiv geworden und habe folgenden Text in einer E-Mail an Aldi Nord, Lidl und Netto (gelb) geschickt:

Sehr geehrte Damen und Herren,
als Ehefrau und Mutter zähle ich zu Ihren regelmäßigen Kunden und bin im
Allgemeinen auch ganz zufrieden mit Ihrem Angebot. Durch eine neurologische
Erkrankung bin ich  allerdings seit einiger Zeit auf den Rollstuhl
angewiesen und hier kommt nun mein Problem: Trotz meiner Behinderung möchte
ich immer noch selbständig einkaufen. Aber wo lasse ich dabei meine Ware?
Auf dem Schoß?- geht nicht, weil ich die Hände zum Fahren brauche. Außerdem
haben auf dem Schoß auch nur wenige Teile Platz. Die Lösung  wäre  ein
Einkaufswagen für Rollifahrer. Die gibt es auch schon, aber leider nicht in
Ihren Märkten. Warum erweitern Sie nicht einfach Ihren Service auch auf
behinderte Kunden. Ich habe mal gegoogelt und folgendes bewährtes Modell
gefunden:
http://wanzl.com/000/De/Home/Produkte/SB-Systeme/Einkaufswagen/Service-Einkaufswagen/Einkaufswagen_fuer_Rollstuhlfahrer.html
Ich würde mich freuen, wenn Sie mich auf dem Laufenden halten würden, wie
Sie weiter mit diesem Thema umgehen werden. Mit freundlichen Grüßen

Lidl teilte mir mit, dass meine E-Mail an die zuständige Abteilung weitergeleitet worden sei und dass das Unternehmen auf Anregungen der Kunden angewiesen sei, um ihren Wünschen gerecht werden zu können. Eine kurzfristige Umsetzung könne aber nicht garantiert werden.

Aldi schrieb mir, dass mein Vorschlag geprüft werde, dass man aber jetzt noch keine weitere Aussage dazu machen könne.

Netto hat mir bisher lediglich eine Eingangsbestätigung meiner E-Mail geschickt.

Außer den Discountern habe ich auch IKEA noch eine E-Mail geschickt mit dem Vorschlag, Einkaufswagen für Rollifahrer zur Verfügung zu stellen. Die geben sich ja immer sehr sozial und behindertenfreundlich. Von dort habe ich aber noch keine Antwort erhalten.

Jetzt heißt es also erst einmal warten. Aber ich werde dran bleiben. Immerhin ist es ja sehr stark vom Einkaufswagen abhängig, wieviel ich in einem Laden einkaufe. Nicht umsonst sind die Einkaufswagen in den letzten 30, 40 Jahren immer größer geworden.

Behinderungen beim Einkaufen

Menschen mit Handicap sind offenbar keine Kunden. Jedenfalls nicht in normalen Geschäften – vielleicht ja im Internet. Aber nein, auch da ist es mitunter schwierig, einen Einkauf zu tätigen. Barrieren  oder Be- beziehungsweise Verhinderung gibt es überall. Das fängt an mit sichtbaren Barrieren wie beispielsweise Stufen am Eingang, die schon mit einem Rollator schwer zu überwinden sind und mit dem Rollstuhl für ungeübte immer bedeuten, dass sie um Hilfe bitten müssen, insbesondere dann wenn die Tür zusätzlich noch besonders schwer ist. Auch Rampen sind manchmal leider nur gut gemeint, weil sie aus Platzgründen viel zu steil sind.  Unübersichtlichkeit oder komplettes Umstellen von Regalen und Waren vor allem in größeren Supermärkten und Discountern macht Menschen mit Einschränkungen in der Orientierung oder mit einer Sehschädigung das Leben schwer. Dazu kommt noch, dass häufig zu wenig Personal da ist, das um Hilfe gebeten werden könnte. Kopfschütteln und Achselzucken sind oft die Antwort auf die Frage, ob es eine Toilette gebe. „Wir haben nur eine Personaltoilette und da darf ich Sie nicht drauf lassen“. Eine Situation, die auch so manche hochschwangere Frau schon erlebt hat, die sich dann irgendwo am Ende des Parkplatzes im Gebüsch erleichtert hat. Auch einige invalidisierende Krankheiten machen es erforderlich, schnell ein Örtchen aufsuchen zu können.

Trotz aller Wünsche nach Inklusion ist es natürlich nicht möglich, von heute auf morgen alle Einkaufsmöglichkeiten barrierefrei zu machen und doch ließe sich Vieles mit geringem Aufwand verbessern. Das fängt an mit den Behindertenparkplätzen, die manchmal sogar vorhanden sind, aber an ungünstiger Stelle oder mit Pflastersteinen als Untergrund oder viel zu schmal. Warum werden nicht einfach mal behinderte Kunden gefragt, wie und wo sie den Behindertenparkplatz bräuchten? So wie es ist, wirkt es oft gewollt und nicht gekonnt. Im April 2009 war Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange Behinderter, beispielsweise hocherfreut darüber, dass ein Lidl-Markt in Unna in seinem Wahlkreis (Hüppe ist Mitglied des Bundestags für die CDU) die Behindertenparkplätze behindertenfreundlicher angeordnet hat.  Sollte es nicht selbstverstänlich sein, dass Behindertenparkplätze behindertenfreundlich sind?

Das nächste Problem ist die Unübersichtlichkeit vor allem in Supermärkten. Natürlich sollen die Leute kaufen und sie sollen das Gefühl haben, dass es alles gibt und alles in unbegrenzter Menge. Aber leichter wird das Einkaufen dadurch nicht – erst recht nicht für Menschen, die in ihrer Wahrnehmung oder der Orientierung eingeschränkt sind. Sehr lange und hohe Regalreihen erschweren es die Ware zu finden. Wenn dann ein ganzer Laden komplett umgeräumt wird (hier bei uns gerade AldiNord und Penny), ist es schon für einen Menschen ohne Einschränkungen schwierig. Ein Blinder oder Sehgeschädigter muss sich mit Hilfe einer Begleitung komplett neu orientieren und sich die neuen Plätze neu einprägen. Ähnlich ist es, wenn bei Waren die Verpackung geändert wird.

Ein Problem, dass einigen Drogeriemärkten schon aufgefallen ist, ist die geringe Schriftgröße auf vielen Artikeln. Mit einer ständig älter werdenden Bevölkerung ein Problem, dass nicht zu vernachlässigen ist. Wird doch mit zunehmendem Alter fast jeder weitsichtig. Besagte Drogeriemärkte wussten sich auch zu helfen: Sie haben an ihren Einkaufswagen Lupen angebracht. Es wäre doch hilfreich, wenn es das auch im Supermarkt gäbe. Auf Medikamentenpackungen steht zumindest der Name der Medizin auch in Blindenschrift. Warum nicht auch auf der Kekspackung oder den Cornflakes.

Einkaufswagen! Es gibt sie häufig als kleine Autos für Eltern mit Kindern oder im Miniformat, damit die Kinder selber schieben können oder sogar mit einem Platz für den Babysitz aus dem Auto. Das ist nichts Ungewöhnliches mehr. Die Mini-Einkaufswagen gab es sogar schon vor über 30 Jahren. Aber es gibt auch Einkaufswagen für Menschen mit Gehbehinderung. Da gibt es zum einen die, die wie ein Rollator benutzt werden können und eine kleine Sitzfläche haben. Und dann gibt es die für Rollstuhlfahrer. Davon gibt es unterschiedliche Modelle. Einmal den Wagen der vom Rollifahrer geschoben wird, während er selber geschoben wird oder den Wagen der über eine augeklügelte und trotzdem einfache Befestigung verfügt, mit der er vorne an den Rollstuhl geklemmt wird. Der Rollifahrer hat damit die Hände zum selber fahren frei. Leider sind diese Einkaufswagen noch nicht sehr weit verbreitet, obwohl sie doch sicher gut fürs soziale Image eines Geschäftes wären.

Hilfreich in jedem Geschäft wäre auf jeden Fall nicht nur für Kunden mit Handicap ausreichend freundliches, gut ausgebildetes und hilfsbereites Personal, dass nicht zu aufdringlich und vor allem frei von Vorurteilen ist.