Vom Behinderten-Klo zum Personal WC – Touri-Info in Scharbeutz

Schade Scharbeutz! Ihr habt Euren Urlaubsort richtig chic gemacht und (fast) alles so schön neu und modern und….. Aber modern wäre es doch, an alle Gäste zu denken, auch an die mit einer Behinderung. Das gilt ganz besonders, wenn der Ort sich zusätzlich zu den Urlaubern auch noch Tagesgäste einlädt zu Veranstaltungen zum Beispiel. Da sollte dann auch für ausreichend Behindertenparkplätze gesorgt werden. Dabei kommt es nicht darauf an, dass diese möglichst dicht am Geschehen zu finden sind. Für Rollstuhlfahrer müssen sie vor allem eine ausreichende Breite aufweisen.

Am vergangenen Sonntag waren die Plätze leider alle belegt – überwiegend von Leuten, die da gar nicht stehen durften. Mehr als eine halbe Stunde habe ich gebraucht, um auf einem Behindertenparkplatz zum Stehen zu kommen. Auf den anderen , schmaleren Plätzen war währenddessen ein reges Kommen und Gehen. Die Polizei war leider gerade noch mit einer Anzeige beschäftigt, so dass kurzfristig niemand kommen konnte, um das Abschleppen zu veranlassen.

Aber gut als Behinderte plane ich sowieso immer ein bisschen mehr Zeit für alles ein. Trotzdem regte sich nun meine Blase. Wissend, dass es im Gebäude der Touristeninformation Toiletten gibt, begab ich mich schnurstracks dorthin. Und da fand ich dann das:

Behindertenklo jetzt Personal WC in der Touri-Info Scharbeutz

Tja, da heißt es dann durch die Rippen schwitzen für Rollstuhlfahrer…

Das Behinderten-WC war abgeschlossen, weil es nun offenbar ein „Personal-WC Privat“ ist. Nicht nur ich stellte mir die Frage, warum das einzige Behinderten-Klo nun fürs Personal sein soll, während doch noch ZWEI andere Toiletten da sind. Aber das muss man wohl nicht verstehen. Wer weiß, vielleicht geht da das Personal nicht nur aufs Klo, sondern muss sich dort vor und nach der Arbeit auch noch umziehen. Da sind dann auch noch ’ne Sitzbank und vier Stahlspinde drin.  Wer weiß!

Aber zur Ehrenrettung von Scharbeutz – fünfzig Meter weiter von der Touri-Info gibt es ein neues Toilettenhäuschen. Da ist auch noch ein Behinderten-Klo. Drinnen in der Touri-Info gibt es aber keinerlei Hinweis oder Wegweiser dazu.

Wer als Rollifahrer in Scharbeutz direkt ans Wasser will, sollte sich mit einem Strandrolli ausstatten. Plankenwege sind leider nicht vorhanden. Aber das ist längs der Küste Schleswig-Holsteins ohnehin ein Problem. Da, wo es Plankenwege gibt, reichen diese leider nicht ganz bis ans Wasser heran. So 10 bis 30 Meter wunderbarer weicher Strandsand trennen den Rollifahrer dann immer noch vom Wasser.

So Schluss mit dem Rumnörgeln! Zum Baden ist mir die Ostsee dieses Jahr sowieso zu kalt. Es war trotzdem noch ein netter Abend.

Kabel an abgesenkten Bordstein mit Schrauben und Unterlegscheiben fixiert

Hier ungünstig rübergerollt und – fffffffff-fffffft…..

Zum Schluss noch die Kuriosität, die ich bei einem Bierausschankwagen gesehen habe. Da war ein Stromkabel, so wie auf dem Foto zu sehen, mit Metallunterlegscheiben und Schrauben entlang dem Bordstein fixiert. Eigentlich wollte ich darüber, weil es der direkte Weg zur Eisdiele „Bei Mario“ gewesen wäre. Ich fürchtete aber um die Unversehrtheit meiner gerade erneuerten Reifen und machte trotz Menschenmassen einen kleinen Umweg.

Wenn ich mir das Bild jetzt so ansehe, frage ich mich aber auch, ob solche Veranstaltungen nicht auch unter Sicherheitsaspekten von der Ordnungsbehörde abgenommen werden müssen…… Ich habe da keine Ahnung von, aber gefühlsmäßig ist mir da viel zu wenig Isolierung zwischen dem Strom und dem Befestigungsmaterial aus Metall. Nicht mal einen Schutz gegen Durchscheuern gibt es…..

Fußgänger probieren Rollstuhl aus – ist das der Weg zur Inklusion?

Ich gehe ja ziemlich häufig zu Tagungen, Fachtagen, Arbeitsgruppen, Workshops und anderen Veranstaltungen, bei denen es um Inklusion, Teilhabe und Behinderte geht. Und natürlich begegnen mir ebenso häufig auch alle Klischees, Vorurteile und ganz viel gewollt-und-nicht-gekonnt. Selber sichtbar behindert, werde ich aber nie unmittelbar damit konfrontiert. Es muss sich eben immer noch wahnsinnig viel tun – vor allem in den Köpfen der Menschen.

Behinderte  sind vor allem Menschen mit geistigen Einschränkungen, zumindest wenn man etwas für sie tun muss, damit Inklusion klappt. Diesen Eindruck gewinne ich jedenfalls immer wieder. Die werden dann auch gar nicht erst mit einbezogen, sondern es wird, wie gehabt, für sie und über sie hinweg (vielleicht auch an ihnen vorbei) geplant und gemacht, immer mit der Prämisse, dass sie ja doch nicht verstehen, worum es geht. Aber ich habe auch noch nicht eine Inklusionsveranstaltung in Leichter Sprache erlebt……

Die zweite große Gruppe behinderter Menschen, für die bei diesen Veranstaltungen gedacht und geplant wird, sind Rollstuhlfahrer. Aber ist ja auch klar, immerhin wird Behinderung ja auch mit dem Rollifahrer als Symbol dargestellt….

Natürlich ist der Alltag im Rollstuhl nicht immer ganz einfach, ich kann selber ein Lied davon singen. Probleme bereitet dabei aber weniger der Rollstuhl, mit dem ich ziemlich gut umgehen kann, sondern eher rücksichtslose oder gedankenlose Leute, die trotz Behindertenparkplatz ihr Auto so dicht neben meins stellen, dass ich nicht wieder einsteigen kann. Oder Aufzüge, die nicht funktionieren, oder zugeparkte Bordsteinabsenkungen….

Aber es ist ja so einfach, von Barrierefreiheit zu reden und damit Behindertentoiletten, breite Türen, Fahrstühle und abgesenkte Kantsteine zu meinen. Darum werden bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen ja auch immer Leute aufgefordert mal einen Rollstuhl auszuprobieren. Das gibt es in ganz unterschiedlichen Variationen. Eine Möglichkeit ist der Rolli-Parcours. Mit mehr oder weniger schlechten, meist alten und zu großen Rollstühlen der Marke Billig, Leicht (haha) und Falt soll versucht werden, eine mit kleinen Hindernissen versehene Strecke abzufahren. Mir erschließt sich nicht so ganz, welches Ziel damit verfolgt wird. Wer drei Minuten in einem, noch dazu schlechten, nicht passenden, Rollstuhl gesessen hat, und danach auf seinen Füßen weiterspaziert, kann auch nicht ansatzweise verstehen oder nachempfinden, wie der Alltag eines Rollstuhlfahrer aussieht. Die zweite Variante sind Selbsterfahrungstage im Rollstuhl. Meistens ziehen nach einer kurzen Einführung kleine Grüppchen mit einem Rollstuhl los und erkunden in wechselnder Besetzung (des Rollis) die Umgebung und beurteilen ganz „fachmännisch“, wie wenig barrierefrei und rollstuhlfreundlich die Gegend doch ist. Aber auch, wie nett und hilfsbereit die Mitmenschen doch sind. Gewöhnlich ist kein „echter“ Rollstuhlfahrer dabei und vor allem sind es immer Gruppen, die da unterwegs sind, nie einer alleine. Wenn es also wirklich schwierig wird, kann man immer aussteigen oder wird geschoben oder getragen. (Da fällt mir ein bitterer Ausspruch eines älteren Herrn ein, dessen Frau schon seit Jahren einen Rolli benutzt: „Zu jedem Rollstuhlfahrer gehört ein Fußgänger“.)

Rollstuhlfahrer sind so unterschiedlich und vielfältig wie Fußgänger – wenn nicht noch viel unterschiedlicher und vielfältiger. Ebenso auch die körperlichen Gegebenheiten, die den Rolli erforderlich machen, abgesehen von der Vielfalt der Gefährte.

Tatsache ist nur, dass wir hier bei uns über Rollstühle verfügen und dass viele Menschen dadurch am Leben teilnehmen können. Ich persönlich bin sehr froh darüber, weil mein Leben sich sonst in einem viel kleineren Kreis abspielen müsste und ich auch nicht arbeiten könnte.

Anderen Rollifahrern ergeht es ganz anders. Das fängt schon damit an, dass sie nicht mit dem richtigen, also ihren Bedürfnissen entsprechenden, Rollstuhl ausgestattet sind. Oft haben sie neben ihrer körperlichen Erkrankung oder Schädigung auch noch eine seelische (die kommt oft einfach noch dazu). Ihre Lebensverhältnisse sind häufig sehr schwierig, egal ob es um Wohnraum, Partnerschaft und Sexualität, Bildung oder schlicht und einfach die Existenz geht. Viele dieser Probleme liegen auch in der Grundhaltung unserer Gesellschaft begründet: es zählt, wer schön, schlank, jung, fit, sportlich, intelligent, erfolgreich und wohlhabend ist – am besten noch alles zusammen! Das alles gibt es natürlich auch bei Rollstuhlfahrern. Die Zweifel, ob das auch stimmt, sind bei ihnen aber viel größer. Darum strampeln sie sich auch wesentlich mehr ab (beispielsweise im Beruf) als andere.

Aber noch einmal zurück zu den Inklusionveranstaltungen: Was ist mit den vielen anderen Arten von Behinderung, abgesehen von den geistigen Behinderungen und den Rollstuhlfahrern? Was ist mit gehörlosen Menschen oder mit Blinden oder sehgeschädigten? Was ist mit den Menschen, die wegen psychischer Beeinträchtigungen in unserer Gesellschaft immer noch stigmatisiert sind oder zumindest Angst machen? Was ist mit denen, die wegen einer Erkrankung oder Behinderung nur noch im Bett liegen können, oder die beatmet werden müssen? Wie viel Teilhabe will die Gesellschaft ihnen zugestehen? Wie soll das funktionieren, wenn sie bei allen Gesprächen über Inklusion nicht nur immer fehlen, sondern gleich ganz ausgeklammert werden?

Ein Nachmittag durch Neumünster gerollt

Ich hatte zwei drei kleine Erledigungen in der Stadt zu machen, darum habe ich mich nach der Arbeit auf den Weg nach Neumünster in die Innenstadt gemacht. Am Großflecken war sogar ein Behindertenparkplatz frei. Aber natürlich musste ich auch wieder einen meiner Zettel zücken und einem Falschparker hinter den Scheibenwischer klemmen:

Das ist ja nichts Ungewöhnliches – sei’s drum!

Neumünsteraner Katzenkopf-Pflaster finde ich  nur bedingt unangenehm. Problematisch sind eigentlich nur die trotz Absenkung immer noch recht hohen Bordsteine neben der stark gewölbten Fahrbahn. Ich habe mich heute nicht hingepackt. Aber mein Rucksack war auch fast leer, so dass ich die Kippeligkeit meines Rollis gut einschätzen konnte und mich nicht zu weit zurückgelehnt habe.

Ich wollte mir beim Bäcker dann einen Kaffee und ein Franzbrötchen gönnen und habe vor dem Bestellen nicht darüber nachgedacht, dass die niedrigen Tische ja nur über eine Treppe zu erreichen waren. Also musste ich mich  an einen der hohen Tische (nicht ganz so hoch wie Stehtische) setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise ältere Leute gerne auf so hohen Sitzmöbeln sitzen. Aber für die gibt es ja, wenn ihnen das Treppen steigen keine Mühe bereitet, auch normale Tische und Stühle. Über eine behindertengerechte Toilette habe ich hier lieber gar nicht nachgedacht und auch nicht danach gefragt.

Aber es gibt am Großflecken ja die öffentlichen Toiletten. Aus meiner Fußgängerzeit weiß ich noch, dass es treppab in einem kleinen Kabuff immer eine Klofrau oder einen Klomann gab (warum will die Autokorrektur mir jetzt weiß machen, dass KLOMANN falsch ist?). Ich dachte, dass ich folglich auf ein einigermaßen sauberes Klo hoffen konnte. Die Behindertentoilette ist natürlich nicht treppab! Zu öffnen ist sie mit dem Euroschlüssel. Meine Hoffnung wurde leider enttäuscht.  Der letzte Benutzer dieses Lokus‘ hatte wohl Durchfall. Jedenfalls klebten noch Spritzer von Flitzekacke am inneren Klorand und leichte Spuren befanden sich auf der Klobrille.  – Was gäbe ich darum, im Stehen pinkeln zu können! Leider war mein Bedürfnis sehr dringend, sonst hätte ich mir eine andere Toilette gesucht. Aber zum Glück gab es reichlich Toilettenpapier, um die Klobrille gut abzudecken.  Ich habe mich aber trotzdem sehr geekelt. 

Fortsetzung meines Stadtbummels. Im Outdoorladen wollte ich noch zwei Thermobecher kaufen. Selber hatte ich so einen zu Weihnachten bekommen und meine Kinder finden den so toll, dass sie auch so einen haben wollten. Der Outdooladen besteht aus zwei Geschäften, eins direkt vone an der Straße und ein zweites, etwas nach hinten und vor allem natürlich tiefer gelegen. Es ist sicher nicht schwer zu erraten, dass es die Thermobecher im hinteren, unteren Laden gab. Die Verkäuferin im vorderen Laden war natürlich super hilfsbereit und mitdenkend. Natürlich meinte sie, dass das Angebot an Thermobechern so groß sei, dass ich sie nur direkt im anderen Laden holen konnte. Ich merkte gleich, dass es ihr zu aufwendig war, mal eben die zwanzig Meter nach hinten zu gehen (sicher hätte sie sogar einen Hinterausgang nutzen können). So bin ich also einmal um die Ecke und den kleinen Hügel runtergerollt. Die Verkäuferin im hinteren Laden wusste gleich, welche Becher ich meinte. Ich musste nur noch aussuchen, welche Farbe ich wollte. Kleines Krafttraining und der Stadtbummel konnte weitergehen, – Buchladen, ein paar andere Geschäfte, Karstadt und noch mal  aufs Klo müssen. Aber Karstadt hat ja eine Behindertentoilette und eine Klofrau. Letztere war aber weit und breit nicht in Sicht. Auch hier fanden sich knapp unter der Brille Flitzekacke-Spritzer am Innenrand der Toilette. Hat Neumünster eine Durchfall-Epidemie? Diesmal war es zum Glück nicht so dringend. Darum habe ich den Ort unverrichteter Dinge wieder verlassen. Inzwischen saß aber die Klofrau wieder auf ihrem Platz zwischen den Lokustüren. Ich sagte ihr freundlich, dass die Behindertentoilette nicht ganz sauber sei, dass der Innenrand dringend gereinigt werden müsse. „Ja, das mache ich nachher kurz vor Feierabend“, sagte sie darauf. Da blieb mir echt die Spucke weg! Ich habe auch nichts mehr dazu gesagt. Ich war ziemlich entsetzt.

Im Restaurant gleich neben der Toilette habe ich dann eine Karstadt-Mitarbeiterin angesprochen und ihr davon erzählt. Gewöhnlich gehe ich nicht petzen! Aber das ging doch nun wirklich zu weit! Wozu ist denn da eine Klofrau? Sicher ist das keine angenehme Arbeit, die sie da macht. Aber sie wird dafür bezahlt und bekommt Trinkgeld von den Kunden. Jeder andere muss seine Arbeit auch anständig machen, unabhängig von seiner Bildung und seinem Einkommen (mir fallen da gerade Proktologen, Gerichtsmediziner, Abdecker oder Müllwerker ein…).

Nachdem ich nicht auf dem Klo gewesen bin, entschied ich mich, nach Hause zu fahren. Am Auto angekommen hatte ich aber ein Problem: Auf der Straße direkt neben meinem Wagen und ziemlich dicht dran stand ein Laster, die Ladeklappe geöffnet und weit und breit niemand zu sehen. Nicht einmal als Fußgänger hätte ich in mein Auto einsteigen können. Noch genervt von der Klofrau war ich jetzt richtig sauer, zumal ich mir auch Gedanken gemacht habe, ob ich noch mit trockener Hose nach Hause komme, wenn ich erst noch stundenlang auf den Fahrer des Lasters warten muss. Von der Beifahrerseite aus habe ich mich einmal quer über den Beifahrersitz geschmissen und kräftig auf die Hupe gedrückt. Das tat so richtig gut!

Der Lasterfahrer kam angerannt und hat sich tausendmal entschuldigt. Er sagte, er könne den Laster nicht wegfahren, weil der kaputt sei, er warte gerade auf den ADAC. Da tat mir das Hupen dann doch ein bisschen leid. Aber er hätte ja auch an seinem Fahrzeug bleiben können. Immerhin bot er mir an meinen Wagen so weit vor zu fahren, dass ich meinen Rollstuhl einladen und einsteigen konnte. Es war aber wohl das erste Mal, dass er einen Automatik fuhr. Was war ich froh, dass er nicht auch noch mit Handgas konfrontiert war!

 

Der Falschparkerzettel darf übrigens gerne kopiert und benutzt werden!

Der Euro-Schlüssel für Behindertentoiletten

Der Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt e.V.  (CBF) entwickelte 1986 das Konzept zum einheitlichen Schlüssel für Behindertentoilette (den Euroschlüssel).  Das ist grundsätzlich ja eine tolle Idee, bedeutet es doch, dass die Toiletten nicht ausgerechnet dann, wenn es besonders drängt mal wieder von einem nicht behinderten besetzt sind, dass sie weniger verschmutzt oder kaputt gemacht sind etc..

Ein echtes Problem sind Behindertentoiletten mit Euroschlüssel allerdings für diejenigen behinderten Menschen, die keinen Euroschlüssel besitzen. Der Schlüssel wird nämlich leider nicht zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis mit den entsprechenden Merkzeichen ausgehändigt. Es gibt beim Versorgungsamt auch nur auf konkrete Nachfrage Auskunft, wo der Schlüssel zu beziehen ist. Darüber hinaus kostet er immerhin 18 Euro. Für den einen oder anderen, der mit einer kleinen Rente oder Hilfe zum Lebensunterhalt klar kommen muss ist das viel Geld. Zum Problem wird der Euroschlüssel auch dann, wenn er beispielsweise für einen Aufzug oder Treppenlift benötigt wird, und der Betroffene ihn nicht hat.

Vielerorts sind die einzigen erreichbaren Behindertentoiletten nur mit dem Euroschlüssel zu benutzen, manchmal gibt es gleich nebenan Toiletten für nichtbehinderte, die nicht verschlossen sind (- glücklich für die Rollifahrer, die noch ein paar Schritte laufen können – ). Beispielweise in Travemünde an der Ostsee ist das so. (Wie gut, dass das Personal eines in der Nähe gelegenen Hotels, das über eine Behindertentoilette verfügt, sehr freundlich und hilfsbereit ist!)

Es muss eine andere Lösung her! Der Euro-Schlüssel an sich ist eine gute Sache! Aber er müsste auch jedem, der ihn benutzen darf, zur Verfügung stehen.  In Östereich beispielweise wird der Schlüssel bei entsprechenden Vorraussetzungen kostenlos abgegeben. Dann sollte vielleicht grundsätzlich zusammen mit dem Schwerbehindertenausweis ein Flyer ausgegeben werden, in dem darüber informiert wird, wo der Euro-Schlüssel zu beziehen.

In Deutschland bekommen Schwerbehinderte den Euro-Schlüssel hier: (entnommen der Homepage des CBF: http://www.cbf-da.de/)

Von wem bekommt man einen Toilettenschlüssel für die

Behinderten-WC´s?

Vom Club Behinderter und ihrer Freunde Darmstadt e.V. (CBF)!

Der CBF Darmstadt entwickelte und setzte 1986 das Konzept zum einheitlichen Schlüssel für Toiletten in Raststätten auf Autobahnen usw. Nun vertreiben wir zentral in Deutschland und im europäischen Ausland den EURO-Toilettenschlüssel.

Der CBF ist darauf bedacht, dass der Schlüssel Menschen mit einer Behinderung ausgehändigt wird, die auf behindertengerechte Toiletten angewiesen sind. Das sind z.B.: schwer Gehbehinderte; Rollstuhlfahrer; Stomaträger; Blinde; Schwerbehinderte, die hilfsbedürftig sind und gegebenenfalls eine Hilfsperson brauchen; an Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Menschen mit chronischer Blasen- / Darmerkrankung. Auf jeden Fall erhält man einen Schlüssel, wenn im Schwerbehindertenausweis

  • das Merkzeichen: aG, B, H, oder BL
  • G und 70% aufwärts, 80, 90 oder 100%

enthalten ist.

Um Missbrauch zu vermeiden, muss bei der Bestellung des EURO-Schlüssels eine Kopie des Schwerbehindertenausweises, bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa ein ärztlichen Nachweis an den CBF Darmstadt gesandt werden. Die Preise sind:

  • EUR 18,- für einen EURO-Toilettenschlüssel oder
  • EUR 25,- für den Schlüssel und das Verzeichnis „DER LOCUS“
  • EUR 8,- für den Behindertentoilettenführer „DER LOCUS“ als Einzelexemplar

Porto und Verpackung sind darin enthalten. Nutzen Sie auch unser Online-Bestellsystem unter

www.cbf-darmstadt.de

Die Kopie des Schwerbehindertenausweises schicken Sie bitte an folgende Adresse:

CBF Darmstadt e.V.
Pallaswiesenstr. 123a
64293 Darmstadt

Trifft die Ausweiskopie beim CBF Darmstadt ein, erhält der Absender unverzüglich den Schlüssel und / oder den Behindertentoilettenführer „DER LOCUS“ zugeschickt. Es enthält über 6.700 Toilettenstandorte in Deutschland und Europa.

Behinderten- oder ähnliche Einrichtungen können den EURO-Toilettenschlüssel auf Rechnung erhalten; das Einreichen der Ausweiskopie entfällt hier.

Auch in der Rehaklinik mal nachfragen

Zur Zeit bin ich in den Schmieder Kliniken in Allensbach zur Reha. Hier habe ich einen Hinweis am Schwarzen Brett entdeckt, dass der Euroschlüssel hier in der Klinik auch erhältlich ist.

Die öffentlichen Toiletten sind dahinten

Es war ein ungemütlicher regnerischer Tag in einer norddeutschen Kleinstadt, einer Kurstadt, als sich ungeheuerliches ereignete. In einem benachbarten Dorf gibt es eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft für Erwachsene Männer und Frauen mit seelischer und geistiger Behinderung.Betreut wird die neunköpfige Gruppe unter anderem von einer körperbehinderten Ergotherapeutin, die im Rollstuhl sitzt. Einmal in der Woche ist „Stadt-Tag“. Die diensthabende Betreuungskraft fährt dann mit denen, die mit wollen in die Kleinstadt. Einige der Männer und Frauen haben Schwierigkeiten, sich alleine zu orientieren und bleiben darum mit der Betreuerin zusammen.Manchmal wollen auch die selbständigeren nich alleine bummeln gehen. So war es auch an diesem Tag. Nachdem einige kleine Einkäufe getätigt waren, Süßigkeiten, Zeitschriften, ein paar Blümchen für den Küchentisch in der Wohngruppe, sagte einer der Betreuten, er müsse mal auf die Toilette. Die Betreuerin, die Rollifahrerin, überlegte kurz und sagte dann: „Am besten gehst du da beim Bäcker mit dem Café“. Es war wirklich widerliches Wetter, windig und ein leichter Sprühregen hatte eingesetzt. Der Mann betrat die Bäckerei gefolgt von der Rollifahrerin und den übrigen vier Männern und Frauen. Die Verkäuferin blickte etwas mürrisch drein und wollte, dass jemand aus der Gruppe etwas kauft. Die Betreuerin sagte ihr, dass doch nur einer die Toilette benutzen wolle. Darauf meinte die Verkäuferin: „Die öffentlichen Toiletten sind aber dahinten“. Wie großzügig und wie rücksichtsvoll. Ihr war offenbar nämlich nicht klar, dass eine Betreuerin, die im Rolli sitzt, bei öffentlichen Toiletten, die nur über eine Treppe zu erreichen sind, Schwierigkeiten hat, ihre Gruppe ausreichend zu beaufsichtigen. Behindertentoiletten gibt es in der Kleinstadt auch. Aber die wären einen halben Kilometer weiter gewesen und sind zudem nur von Leuten mit Euroschlüssel zu benutzen. Der Mann durfte aufs Klo gehen. Aber für die Gruppe war die Situation sehr unangenehm. Zum Glück war das Café fast leer.