Doch kein Märchen

Heute war verkaufsoffener Sonntag in Neumünster. Am Großflecken waren wieder einmal alle  Behindertenparkplätze belegt – von Falschparkern. Vier Behindertenparkplätze! Aber die netten Männer vom Ordnungsamt waren schon da und fleißig am Aufschreiben, Fotografieren und Dokumentieren. Ich erfuhr, dass auch die Abschlepper auch schon bestellt seien. Darauf warten konnte ich da natürlich nicht. Ich fand aber zweimal um die Ecke noch einen anderen Behindertenparkplatz. Da waren aber weitere andere Behindertenparkplätze auch von Falschparkern besetzt…. Weiterlesen

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Vom Behinderten-Klo zum Personal WC – Touri-Info in Scharbeutz

Schade Scharbeutz! Ihr habt Euren Urlaubsort richtig chic gemacht und (fast) alles so schön neu und modern und….. Aber modern wäre es doch, an alle Gäste zu denken, auch an die mit einer Behinderung. Das gilt ganz besonders, wenn der Ort sich zusätzlich zu den Urlaubern auch noch Tagesgäste einlädt zu Veranstaltungen zum Beispiel. Da sollte dann auch für ausreichend Behindertenparkplätze gesorgt werden. Dabei kommt es nicht darauf an, dass diese möglichst dicht am Geschehen zu finden sind. Für Rollstuhlfahrer müssen sie vor allem eine ausreichende Breite aufweisen.

Am vergangenen Sonntag waren die Plätze leider alle belegt – überwiegend von Leuten, die da gar nicht stehen durften. Mehr als eine halbe Stunde habe ich gebraucht, um auf einem Behindertenparkplatz zum Stehen zu kommen. Auf den anderen , schmaleren Plätzen war währenddessen ein reges Kommen und Gehen. Die Polizei war leider gerade noch mit einer Anzeige beschäftigt, so dass kurzfristig niemand kommen konnte, um das Abschleppen zu veranlassen.

Aber gut als Behinderte plane ich sowieso immer ein bisschen mehr Zeit für alles ein. Trotzdem regte sich nun meine Blase. Wissend, dass es im Gebäude der Touristeninformation Toiletten gibt, begab ich mich schnurstracks dorthin. Und da fand ich dann das:

Behindertenklo jetzt Personal WC in der Touri-Info Scharbeutz

Tja, da heißt es dann durch die Rippen schwitzen für Rollstuhlfahrer…

Das Behinderten-WC war abgeschlossen, weil es nun offenbar ein „Personal-WC Privat“ ist. Nicht nur ich stellte mir die Frage, warum das einzige Behinderten-Klo nun fürs Personal sein soll, während doch noch ZWEI andere Toiletten da sind. Aber das muss man wohl nicht verstehen. Wer weiß, vielleicht geht da das Personal nicht nur aufs Klo, sondern muss sich dort vor und nach der Arbeit auch noch umziehen. Da sind dann auch noch ’ne Sitzbank und vier Stahlspinde drin.  Wer weiß!

Aber zur Ehrenrettung von Scharbeutz – fünfzig Meter weiter von der Touri-Info gibt es ein neues Toilettenhäuschen. Da ist auch noch ein Behinderten-Klo. Drinnen in der Touri-Info gibt es aber keinerlei Hinweis oder Wegweiser dazu.

Wer als Rollifahrer in Scharbeutz direkt ans Wasser will, sollte sich mit einem Strandrolli ausstatten. Plankenwege sind leider nicht vorhanden. Aber das ist längs der Küste Schleswig-Holsteins ohnehin ein Problem. Da, wo es Plankenwege gibt, reichen diese leider nicht ganz bis ans Wasser heran. So 10 bis 30 Meter wunderbarer weicher Strandsand trennen den Rollifahrer dann immer noch vom Wasser.

So Schluss mit dem Rumnörgeln! Zum Baden ist mir die Ostsee dieses Jahr sowieso zu kalt. Es war trotzdem noch ein netter Abend.

Kabel an abgesenkten Bordstein mit Schrauben und Unterlegscheiben fixiert

Hier ungünstig rübergerollt und – fffffffff-fffffft…..

Zum Schluss noch die Kuriosität, die ich bei einem Bierausschankwagen gesehen habe. Da war ein Stromkabel, so wie auf dem Foto zu sehen, mit Metallunterlegscheiben und Schrauben entlang dem Bordstein fixiert. Eigentlich wollte ich darüber, weil es der direkte Weg zur Eisdiele „Bei Mario“ gewesen wäre. Ich fürchtete aber um die Unversehrtheit meiner gerade erneuerten Reifen und machte trotz Menschenmassen einen kleinen Umweg.

Wenn ich mir das Bild jetzt so ansehe, frage ich mich aber auch, ob solche Veranstaltungen nicht auch unter Sicherheitsaspekten von der Ordnungsbehörde abgenommen werden müssen…… Ich habe da keine Ahnung von, aber gefühlsmäßig ist mir da viel zu wenig Isolierung zwischen dem Strom und dem Befestigungsmaterial aus Metall. Nicht mal einen Schutz gegen Durchscheuern gibt es…..

Ein Nachmittag durch Neumünster gerollt

Ich hatte zwei drei kleine Erledigungen in der Stadt zu machen, darum habe ich mich nach der Arbeit auf den Weg nach Neumünster in die Innenstadt gemacht. Am Großflecken war sogar ein Behindertenparkplatz frei. Aber natürlich musste ich auch wieder einen meiner Zettel zücken und einem Falschparker hinter den Scheibenwischer klemmen:

Das ist ja nichts Ungewöhnliches – sei’s drum!

Neumünsteraner Katzenkopf-Pflaster finde ich  nur bedingt unangenehm. Problematisch sind eigentlich nur die trotz Absenkung immer noch recht hohen Bordsteine neben der stark gewölbten Fahrbahn. Ich habe mich heute nicht hingepackt. Aber mein Rucksack war auch fast leer, so dass ich die Kippeligkeit meines Rollis gut einschätzen konnte und mich nicht zu weit zurückgelehnt habe.

Ich wollte mir beim Bäcker dann einen Kaffee und ein Franzbrötchen gönnen und habe vor dem Bestellen nicht darüber nachgedacht, dass die niedrigen Tische ja nur über eine Treppe zu erreichen waren. Also musste ich mich  an einen der hohen Tische (nicht ganz so hoch wie Stehtische) setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise ältere Leute gerne auf so hohen Sitzmöbeln sitzen. Aber für die gibt es ja, wenn ihnen das Treppen steigen keine Mühe bereitet, auch normale Tische und Stühle. Über eine behindertengerechte Toilette habe ich hier lieber gar nicht nachgedacht und auch nicht danach gefragt.

Aber es gibt am Großflecken ja die öffentlichen Toiletten. Aus meiner Fußgängerzeit weiß ich noch, dass es treppab in einem kleinen Kabuff immer eine Klofrau oder einen Klomann gab (warum will die Autokorrektur mir jetzt weiß machen, dass KLOMANN falsch ist?). Ich dachte, dass ich folglich auf ein einigermaßen sauberes Klo hoffen konnte. Die Behindertentoilette ist natürlich nicht treppab! Zu öffnen ist sie mit dem Euroschlüssel. Meine Hoffnung wurde leider enttäuscht.  Der letzte Benutzer dieses Lokus‘ hatte wohl Durchfall. Jedenfalls klebten noch Spritzer von Flitzekacke am inneren Klorand und leichte Spuren befanden sich auf der Klobrille.  – Was gäbe ich darum, im Stehen pinkeln zu können! Leider war mein Bedürfnis sehr dringend, sonst hätte ich mir eine andere Toilette gesucht. Aber zum Glück gab es reichlich Toilettenpapier, um die Klobrille gut abzudecken.  Ich habe mich aber trotzdem sehr geekelt. 

Fortsetzung meines Stadtbummels. Im Outdoorladen wollte ich noch zwei Thermobecher kaufen. Selber hatte ich so einen zu Weihnachten bekommen und meine Kinder finden den so toll, dass sie auch so einen haben wollten. Der Outdooladen besteht aus zwei Geschäften, eins direkt vone an der Straße und ein zweites, etwas nach hinten und vor allem natürlich tiefer gelegen. Es ist sicher nicht schwer zu erraten, dass es die Thermobecher im hinteren, unteren Laden gab. Die Verkäuferin im vorderen Laden war natürlich super hilfsbereit und mitdenkend. Natürlich meinte sie, dass das Angebot an Thermobechern so groß sei, dass ich sie nur direkt im anderen Laden holen konnte. Ich merkte gleich, dass es ihr zu aufwendig war, mal eben die zwanzig Meter nach hinten zu gehen (sicher hätte sie sogar einen Hinterausgang nutzen können). So bin ich also einmal um die Ecke und den kleinen Hügel runtergerollt. Die Verkäuferin im hinteren Laden wusste gleich, welche Becher ich meinte. Ich musste nur noch aussuchen, welche Farbe ich wollte. Kleines Krafttraining und der Stadtbummel konnte weitergehen, – Buchladen, ein paar andere Geschäfte, Karstadt und noch mal  aufs Klo müssen. Aber Karstadt hat ja eine Behindertentoilette und eine Klofrau. Letztere war aber weit und breit nicht in Sicht. Auch hier fanden sich knapp unter der Brille Flitzekacke-Spritzer am Innenrand der Toilette. Hat Neumünster eine Durchfall-Epidemie? Diesmal war es zum Glück nicht so dringend. Darum habe ich den Ort unverrichteter Dinge wieder verlassen. Inzwischen saß aber die Klofrau wieder auf ihrem Platz zwischen den Lokustüren. Ich sagte ihr freundlich, dass die Behindertentoilette nicht ganz sauber sei, dass der Innenrand dringend gereinigt werden müsse. „Ja, das mache ich nachher kurz vor Feierabend“, sagte sie darauf. Da blieb mir echt die Spucke weg! Ich habe auch nichts mehr dazu gesagt. Ich war ziemlich entsetzt.

Im Restaurant gleich neben der Toilette habe ich dann eine Karstadt-Mitarbeiterin angesprochen und ihr davon erzählt. Gewöhnlich gehe ich nicht petzen! Aber das ging doch nun wirklich zu weit! Wozu ist denn da eine Klofrau? Sicher ist das keine angenehme Arbeit, die sie da macht. Aber sie wird dafür bezahlt und bekommt Trinkgeld von den Kunden. Jeder andere muss seine Arbeit auch anständig machen, unabhängig von seiner Bildung und seinem Einkommen (mir fallen da gerade Proktologen, Gerichtsmediziner, Abdecker oder Müllwerker ein…).

Nachdem ich nicht auf dem Klo gewesen bin, entschied ich mich, nach Hause zu fahren. Am Auto angekommen hatte ich aber ein Problem: Auf der Straße direkt neben meinem Wagen und ziemlich dicht dran stand ein Laster, die Ladeklappe geöffnet und weit und breit niemand zu sehen. Nicht einmal als Fußgänger hätte ich in mein Auto einsteigen können. Noch genervt von der Klofrau war ich jetzt richtig sauer, zumal ich mir auch Gedanken gemacht habe, ob ich noch mit trockener Hose nach Hause komme, wenn ich erst noch stundenlang auf den Fahrer des Lasters warten muss. Von der Beifahrerseite aus habe ich mich einmal quer über den Beifahrersitz geschmissen und kräftig auf die Hupe gedrückt. Das tat so richtig gut!

Der Lasterfahrer kam angerannt und hat sich tausendmal entschuldigt. Er sagte, er könne den Laster nicht wegfahren, weil der kaputt sei, er warte gerade auf den ADAC. Da tat mir das Hupen dann doch ein bisschen leid. Aber er hätte ja auch an seinem Fahrzeug bleiben können. Immerhin bot er mir an meinen Wagen so weit vor zu fahren, dass ich meinen Rollstuhl einladen und einsteigen konnte. Es war aber wohl das erste Mal, dass er einen Automatik fuhr. Was war ich froh, dass er nicht auch noch mit Handgas konfrontiert war!

 

Der Falschparkerzettel darf übrigens gerne kopiert und benutzt werden!

Anregungen an den Behindertenbeauftragten der Stadt Lübeck

Lübeck ist eine wunderschöne Stadt! Ich liebe sie fast so wie meine Geburtsstadt Hamburg. Sie ist ebenfalls eine Hansestadt, hat aber einen ganz anderen Charme, eine andere Persönlichkeit (wenn man das bei einer Stadt so sagen kann). Lübeck ist kuschelig und gemütlich, ein bisschen provinzieller im positiven Sinn. Und Lübeck liegt mit dem Ortsteil Travemünde an der Ostsee. Wenn ich Besuch habe, zeige ich ihm gerne Lübeck und natürlich auch Travemünde. Am letzten Wochenende war es mal wieder so weit. Schade nur, dass der Winterdienst in Travemünde nichts von Barrierefreiheit hält, sondern im Gegenteil noch eine zusätzliche in Form eines Schneehaufens auf dem Behindertenparkplatz errichtet hat. Dadurch hätte dort höchstens noch ein Smart stehen können.

Ein Behindertenparkplatz in Travemünde an der Vorderreihe, auf dem ein Schneehaufen liegt

Behindertenparkplatz mit Barriere aus Schnee

Schade, dass da jemand nicht mitgedacht hat. Mir geht es jetzt nicht darum zu meckern, sondern vielmehr ein Bewusstsein zu schaffen dafür, dass einem behinderten Menschen damit das Leben unnötig erschwert wird. Ich habe mich darum mit einer E-Mail an den Beauftragten für die Belange behinderter Menschen der Stadt Lübeck Herrn Denker gewandt. Außerdem habe ich  in der E-Mail auch angeregt, in der Hundestraße, die sich in der Innenstadt befindet, den Bordstein gegenüber den Behindertenparkplätzen abzusenken. Dadurch wäre die Stadtbibliothek nämlich für Rollstuhlfahrer erheblich leichter erreichbar.

Die E-Mail hatte den folgenden Text:

Sehr geehrter Herr Denker,

am vergangenen Sonntag habe ich mit meinem Besuch aus Frankreich das schöne Travemünde besucht. Trotzdem sich Schleswig-Holstein wettermäßig ja nicht gerade von seiner Schokoladenseite gezeigt hat,war einiges los. Wie gut, dass Travemünde Behindertenparkplätze hat, die ich als Rollstuhlfahrerin mit dem blauen Parkausweis ja auch benutzen darf. Wie dumm, dass beim Winterräumdienst jemand nicht mitgedacht hat! Leider war der Behindertenparkplatz an der Vorderreihe wegen eines Schneehaufens nämlich bestenfalls mit einem Smart zu benutzen (- ein Fahrzeug, das sich für Rollifahrer eher nicht eignet). Es wäre schön, wenn Sie dieses Problem an geeigneter Stelle einmal ansprechen könnten. Denn auch wenn dieser Winter (hoffentlich) bald vorbei ist, kommt der Schnee im nächsten Winter sicher auch wieder. Gerade ein Touristenort wie Travemünde sollte doch mit Behindertenfreundlichkeit glänzen – für die Gäste nur das beste!

Vielleicht noch als kleine Anregung für den Sommer: Ein nicht zu schmaler Holzweg über den Strand würde es auch Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator ermöglich, ans Wasser zu kommen. Auch Eltern mit Kinderwagen wären da sicher sehr glücklich drüber.

Ich wohne zwar nicht in Lübeck, nutze aber schon seit rund 30 Jahren sehr gerne die Stadtbücherei. Es hilft mir sehr, dass es gleich gegenüber zwei Behindertenparkplätze gibt. Es ist nur schade, dass es auf der Straßenseite mit der Bücherei keine Bordsteinabsenkung gibt. Es wäre prima, wenn da Abhilfe geschafft werden könnte. Zur Barrierefreiheit der Bücherei selber möchte ich lieber gar nichts sagen. Immerhin gibt es dort sehr, sehr nettes Personal, das ganz viel wett zu machen versucht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich meiner Anregungen annehmen und mich auch darüber auf dem Laufenden halten würden. Das mit der Bordsteinabsenkung hatte ich vor knapp zwei Jahren in einer E-Mail an den Behindertenbeirat der Stadt nämlich schon einmal angeregt. Leider erhielt ich damals nicht einmal eine Antwort.

Den Text dieser E-Mail werde ich auch in mein Blog (inklusionjetzt.wordpress.com) setzen und gegebenenfalls auch Ihre Reaktion bzw. die Ergebnisse.

Mit Behinderung und Krankheit das Sozialsystem abzocken

Ich lebe gerne in Deutschland! Ich liebe dieses Land und seine sozialen Errungenschaften. Es ist nicht alles perfekt, aber im Großen und Ganzen funktioniert es. Wer krank ist, kann zum Arzt gehen, wer keine Arbeit hat wird von der Gesellschaft getragen. Das soziale Netz ist relativ eng geknüpft. Dass trotzdem einzelne durch die Maschen fallen, ist mir bewusst und die tun mir auch leid. Aber es gibt auch diejenigen, die mich wütend machen!

Unser Sozialsystem kann nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Jeder, der in der Lage dazu ist, muss seinen Teil in das Sozialsystem einzahlen, in die Arbeitslosenversicherung, in die Pflegeversicherung, in die Rentenversicherung und in die Krankenversicherung, natürlich muss er auch seine Steuern zahlen. Aber oft werden Staat und Sozialsystem so fremd und so weit weg wahrgenommen – als ob man nichts damit zu tun hätte, als würde man da für jemand Fremden bezahlen. Aber der Staat sind wir selber und nicht irgendwelche Politiker in Berlin. Die entscheiden nur so gut es geht, wie das Geld verteilt wird. Auch zum Sozialsystem gehören wir selber – immer dann zum Beispiel, wenn wir zum Arzt gehen, wenn wir Kindergeld beziehen oder beim Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist doch erstaunlich, wie oft wir Geld oder Leistungen aus dem Sozialsystem erhalten. Trotzdem schimpfen die meisten darüber, wie viel sie in dieses System einzahlen müssen.

 Im Moment bin ich in einer Rehaklinik und bekomme sehr viel mit rund um die Themen Sozialleistungen und Rente. Offenbar sind Krankheit und Behinderung dazu da, daraus noch einenProfit ziehen zu können. Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden(!): Wer krank ist oder behindert, hat ein Recht auf bestimmte Leistungen – dazu ist unser Sozialsystem ja auch da. Aber oft gehen die Wünsche und Ansprüche weit über das hinaus, was angemessen und berechtigt ist.

Richtig sauer hat es mich heute gemacht, als ein anderer Patient sagte, er wolle in Rente gehen, der aber im Alltag hier in der Klinik immer einen sehr fitten Eindruck gemacht hat. Um ein gutes Auskommen mit der Rente zu haben, würde er noch auf 400-Euro-Basis arbeiten gehen und eventuell zusätzlich noch schwarz arbeiten, meinte er.  Also ein offizieller 400-Euro-Job plus Schwarzarbeit – und der Mann ist nicht mehr erwerbsfähig?

Dann gibt es das Geschacher um den GdB, den Grad der Behinderung, als ob das eine Auszeichnung wäre. Der GdB soll dazu dienen, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Einschränkungen durch die Erkrankung oder die Behinderung im täglichen Leben und bei der Teilhabe und dem Leben eines Nichtbeeinträchtigten. Darum gibt es Steuererleichterungen, Erlass von GEZ-Gebühren oder KFZ-Steuererlass und die Fahrkahrte für den öffentlichen Nahverkehr für 60 Euro im Jahr. Das ist aber immer abhängig davon, wie stark die Beeinträchtigungen sind. Ein Insulinpflichtiger Diabetiker beispielsweise hat  einen GdB von 50, das heißt eine Schwerbehinderung. Das allein heißt aber noch nicht, dass er auch das Merkzeichen „G“ im Behindertenausweis bekommt. Dies geschieht aber, wenn er diabetsche Füße, eine häufige Komplikation der Erkrankung, bekommt. Kommt es in der Folge sogar zur Amputation von Füßen oder Beinen ist auch das Merkzeichen „aG“ berechtig. Mit dem kann er dann auch den blauen Parkausweis für Behindertenparkplätze beantragen. Darum ist diese Merkzeichen besonders begehrt.

Bevor ich selber krank wurde, habe ich mich nicht so sehr mit den Themen Behinderung und Rente in unserem Sozialsystem befasst, das war alles so weit weg. Ich wusste nur, das es bezüglich anderer Sozialleistungen eine Menge nebliger Sümpfe gibt, dass es Menschen gibt, die gemütlich in der sozialen Hängematte aus Sozialhilfe und Arbeitslosengeld schaukeln. Jetzt aber wird mir klar, dass es bezüglich der Erwerbslosenrente und der Leistungen wegen Schwerbehinderung ganz ähnlich aussieht. Hierin der Klinik wird auch mit Hilfe von Tests die Arbeitsfähigkeit und die Belastbarkeit ermittelt – „dann mache ich eben viel langsamer oder sage einfach, ich kann nicht mehr“, habe ich diesbezüglich schon von eigentlich sehr fitten Leuten (jeden Aben irgendwo was trinken gehen, immer auf die Sportgeräte oder ins Schwimmbad, randvoller Therapieplan) gehört. Ich hoffe nur für unser Solidarsystem, das Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal auch mitbekommen, was ich hier erfahre.

 

Behindertenparkplatz – wer darf da eigentlich parken?

„Wenn Du meinen Parkplatz willst, dann nimm auch mein Handicap“, steht in Frankreich häufiger mal an Behindertenparkplätzen. Leute, die dort unberechtigt parken, sollen so zum Nachdenken angeregt werden. Und es sind leider immer noch viel zu viele, die glauben, dort parken zu dürfen oder, die sich einfach das Recht dazu nehmen, weil sie „ja nur ganz kurz“ mal eben da stehen. In diesem Artikel möchte ich erklären, wer einen Behindertenparkplatz benutzen darf. Das ist nämlich ganz klar geregelt. Wer sich nicht daran hält riskiert, 35 Euro zahlen zu müssen und abgeschleppt zu werden. Aber zunächst einmal einiges Grundsätzliches zu Behindertenparkplätzen:

Behindertenparkplätze haben ihre Berechtigung. Sie sind breiter als gewöhnliche Parkplätze. Wenn der für den Bau verantwortliche mitgedacht hat, ist der Untergrund auch so gestaltet, dass ein Befahren mit dem Rollstuhl nicht erschwert ist, dies auch, wenn alle anderen Parkflächen  mit Kopfstein gepflastert sind.  Nach DIN 18024 -1, die sich auf Straßen, Plätze, Wege, öffentliche Verkehrsanlagen und öffentlich zugängige Grünanlagen sowie Zugänge zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Spielplätzen bezieht, soll der Bewegungsraum neben der Längsseite des Autos eines Rollstuhlfahrers mindestens 150 Zentimeter groß sein. Das ist nötig, um beispielsweise eine Autotür weit genug öffnen zu können, dass ein Umsetzen aus dem Rollstuhl ins Fahrzeug möglich ist, ebenso wie das Verladen des Rollstuhls. Ich persönlich würde noch weiter gehen und fordern, dass ein Behindertenparkplatz auch länger sein muss als ein anderer: Wenn das Fahrzeug nämlich von hinten über eine Rampe bestiegen wird oder über eine Verladehilfe für den Rollstuhl verfügt, sind an der Kofferraumseite mindesten zwei Meter Platz erforderlich! An Behindertenparkplätzen, die sich in Parkstreifen parallel  zur Straße befinden, sollte es eine Bordsteinabsenkung geben. Nicht jeder Rollifahrer kann einen Kantstein ohne fremde Hilfe überwinden.

Nun zu der Frage, wer einen Behindertenparkplatz benutzen darf: Europaweit gibt es einen blauen Parkausweis, der zur Nutzung von Behindertenparkplätzen berechtigt. Auf der Vorderseite befinden sich das Rollstuhlsymbol und der Länderbuchstabe umgeben von den EU-Sternen, es steht darauf, wie lange er gültig ist, die Parkausweisnummer und die Ausstellungsbehörde. Auf der Rückseite befinden sich Name und Unterschrift des Parkausweisinhabers, außerdem ein Passfoto.  Seit 2011 ist nur noch der Europäische Behindertenparausweis mit Foto gültig! Nur mit diesem  darf eine mit dem Rollstuhlsymbol gekennzeichnete Parkfläche genutzt werden! Wer den nicht hat, riskiert ein Knöllchen – 35 Euro, in Frankreich beispielweise sogar 135 Euro, sind dann fällig. Außerdem kann das Auto jederzeit abgeschleppt werden. Dafür fallen dann auch noch Kosten an.

Den blauen Parkausweis stellt gewöhnlich das Ordnungsamt am Wohnort der behinderten Person aus. Die Voraussetzung dafür ist ein Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „aG“oder „Bl“. Den wiederum stellt bei entsprechender Voraussetzung das Versorgungsamt aus. Das Merzeichen aG bedeutet außergewöhnliche Gehbehinderung, Bl steht für Blind. Es reicht aber nicht aus, den entsprechenden Schwerbehindertenausweis ins Auto zu legen. Gültig für den Behindertenparkplatz ist nach der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung zu   § 46 Abs.1 Nr. 11 STVO nur der blaue Parkausweis!

Auch für Menschen mit anderen Behinderungen gibt es Parkerleichterungen. Es gibt dafür gelbe bzw. orange Parkausweise. Die Voraussetzungen dafür im Einzelnen aufzuführen, würde zu weit gehen, zumal es hierzu in den einzelnen Bundesländern auch unterschiedliche Regelungen gibt. Wer dazu mehr wissen will, erkundigt sich am besten bei seinem Ordnungsamt oder auf der Internetseite des Behindertenbeauftragten des entsprechenden Bundeslandes. Diese gelben oder orangen Ausnahmegenehmigungen zur Parkerleichterung gelten aber nicht auf  Behindertenparkplätzen! Das ist auch den Beiblättern zu entnehmen, die es zu den gelben und orangen Parkausweisen gibt. Ein guter Link, der auch noch einmal erklärt, wer auf Behindertenparplätzen stehen darf ist der folgende:

http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9229/behindertenparkplaetze

Als letztes vielleicht noch: Angehörige von Menschen mit einem blauen Parkausweis dürfen Behindertenparkplätze nur benutzen, wenn die behinderte Person dabei ist!

Behinderungen beim Einkaufen

Menschen mit Handicap sind offenbar keine Kunden. Jedenfalls nicht in normalen Geschäften – vielleicht ja im Internet. Aber nein, auch da ist es mitunter schwierig, einen Einkauf zu tätigen. Barrieren  oder Be- beziehungsweise Verhinderung gibt es überall. Das fängt an mit sichtbaren Barrieren wie beispielsweise Stufen am Eingang, die schon mit einem Rollator schwer zu überwinden sind und mit dem Rollstuhl für ungeübte immer bedeuten, dass sie um Hilfe bitten müssen, insbesondere dann wenn die Tür zusätzlich noch besonders schwer ist. Auch Rampen sind manchmal leider nur gut gemeint, weil sie aus Platzgründen viel zu steil sind.  Unübersichtlichkeit oder komplettes Umstellen von Regalen und Waren vor allem in größeren Supermärkten und Discountern macht Menschen mit Einschränkungen in der Orientierung oder mit einer Sehschädigung das Leben schwer. Dazu kommt noch, dass häufig zu wenig Personal da ist, das um Hilfe gebeten werden könnte. Kopfschütteln und Achselzucken sind oft die Antwort auf die Frage, ob es eine Toilette gebe. „Wir haben nur eine Personaltoilette und da darf ich Sie nicht drauf lassen“. Eine Situation, die auch so manche hochschwangere Frau schon erlebt hat, die sich dann irgendwo am Ende des Parkplatzes im Gebüsch erleichtert hat. Auch einige invalidisierende Krankheiten machen es erforderlich, schnell ein Örtchen aufsuchen zu können.

Trotz aller Wünsche nach Inklusion ist es natürlich nicht möglich, von heute auf morgen alle Einkaufsmöglichkeiten barrierefrei zu machen und doch ließe sich Vieles mit geringem Aufwand verbessern. Das fängt an mit den Behindertenparkplätzen, die manchmal sogar vorhanden sind, aber an ungünstiger Stelle oder mit Pflastersteinen als Untergrund oder viel zu schmal. Warum werden nicht einfach mal behinderte Kunden gefragt, wie und wo sie den Behindertenparkplatz bräuchten? So wie es ist, wirkt es oft gewollt und nicht gekonnt. Im April 2009 war Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange Behinderter, beispielsweise hocherfreut darüber, dass ein Lidl-Markt in Unna in seinem Wahlkreis (Hüppe ist Mitglied des Bundestags für die CDU) die Behindertenparkplätze behindertenfreundlicher angeordnet hat.  Sollte es nicht selbstverstänlich sein, dass Behindertenparkplätze behindertenfreundlich sind?

Das nächste Problem ist die Unübersichtlichkeit vor allem in Supermärkten. Natürlich sollen die Leute kaufen und sie sollen das Gefühl haben, dass es alles gibt und alles in unbegrenzter Menge. Aber leichter wird das Einkaufen dadurch nicht – erst recht nicht für Menschen, die in ihrer Wahrnehmung oder der Orientierung eingeschränkt sind. Sehr lange und hohe Regalreihen erschweren es die Ware zu finden. Wenn dann ein ganzer Laden komplett umgeräumt wird (hier bei uns gerade AldiNord und Penny), ist es schon für einen Menschen ohne Einschränkungen schwierig. Ein Blinder oder Sehgeschädigter muss sich mit Hilfe einer Begleitung komplett neu orientieren und sich die neuen Plätze neu einprägen. Ähnlich ist es, wenn bei Waren die Verpackung geändert wird.

Ein Problem, dass einigen Drogeriemärkten schon aufgefallen ist, ist die geringe Schriftgröße auf vielen Artikeln. Mit einer ständig älter werdenden Bevölkerung ein Problem, dass nicht zu vernachlässigen ist. Wird doch mit zunehmendem Alter fast jeder weitsichtig. Besagte Drogeriemärkte wussten sich auch zu helfen: Sie haben an ihren Einkaufswagen Lupen angebracht. Es wäre doch hilfreich, wenn es das auch im Supermarkt gäbe. Auf Medikamentenpackungen steht zumindest der Name der Medizin auch in Blindenschrift. Warum nicht auch auf der Kekspackung oder den Cornflakes.

Einkaufswagen! Es gibt sie häufig als kleine Autos für Eltern mit Kindern oder im Miniformat, damit die Kinder selber schieben können oder sogar mit einem Platz für den Babysitz aus dem Auto. Das ist nichts Ungewöhnliches mehr. Die Mini-Einkaufswagen gab es sogar schon vor über 30 Jahren. Aber es gibt auch Einkaufswagen für Menschen mit Gehbehinderung. Da gibt es zum einen die, die wie ein Rollator benutzt werden können und eine kleine Sitzfläche haben. Und dann gibt es die für Rollstuhlfahrer. Davon gibt es unterschiedliche Modelle. Einmal den Wagen der vom Rollifahrer geschoben wird, während er selber geschoben wird oder den Wagen der über eine augeklügelte und trotzdem einfache Befestigung verfügt, mit der er vorne an den Rollstuhl geklemmt wird. Der Rollifahrer hat damit die Hände zum selber fahren frei. Leider sind diese Einkaufswagen noch nicht sehr weit verbreitet, obwohl sie doch sicher gut fürs soziale Image eines Geschäftes wären.

Hilfreich in jedem Geschäft wäre auf jeden Fall nicht nur für Kunden mit Handicap ausreichend freundliches, gut ausgebildetes und hilfsbereites Personal, dass nicht zu aufdringlich und vor allem frei von Vorurteilen ist.