Wie süß! – Der Schwer in Ordnung Ausweis

Oh guckt mal, wie herzig! Das sympathische Mädchen mit Trisomie 21 hatte eine süße Idee! Wie lieb! Dann verändern wir jetzt zwar nicht wirklich etwas, sondern verschenken eine liebevolle Verpackung, für etwas, das die Schwerbehinderten zu 95 % für niemanden sichtbar im Portemonnaie tragen und das von manchem aber großkotzig rausgeholt wird, um damit (vermeintlich) die unberechtigte Nutzung eines Behindertenparkplatzes zu rechtfertigen. Gerne wird das Teil ohne jede Scham gezückt, wenn man sich damit irgendwelche Vergünstigungen erhofft und von manchem Zeitgenossen auch mal heftig Unmut geäußert, wenn es mal keinen Behindertenrabatt gibt. 


Was nützt es dem Mädchen, wenn ihr Ausweis jetzt in einer Hülle steckt, mit der Aufschrift Schwer in Ordnung? Vielleicht gehört sie schon zu den Glücklichen, die inklusiv beschult werden, obwohl das in den Augen vieler ja nur Geld kostet und zu Lasten der nicht behinderten Kinder geht… Wird sie später, vermutlich mit einem Förderschulabschluss, eine Chance bekommen, einen weiteren Schulabschluss zu machen? Wird man ihr die Möglichkeit geben, eine Ausbildung außerhalb einer Einrichtung für Behinderte zu machen? Wird sie eine Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt finden und davon unabhängig leben können und dürfen? Wird man ihr zugestehen, selbstbestimmt zu leben, in einer eigenen Wohnung, ohne von anderen vorgegebenen Tagesablauf, einen Partner und Sex zu haben, Kinder zu bekommen, die sie auch selber großziehen darf? Das sind die entscheidenden Fragen! Diese niedliche Verpackung für den Behindertenausweis ist doch nur wie Heile, heile Segen-Singen, wenn ein Kind sich gestoßen hat.

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Behindertenausweis im Scheckkartenformat – Bayern legt schon los

In Bayern gibt es ihn jetzt schon, den neuen, kleinen Schwerbehindertenausweis. Das geht es einer Pressemitteilung auf dem Bundespresseportal  vom 28.Dezember 2012 hervor:

(BPP) „Ab Januar 2013 startet der neue Schwerbehindertenausweis im Scheckkartenformat! Der bisherige, unhandliche Ausweis aus Papier gehört damit der Vergangenheit an. Der Bund hatte sich hier lange gesperrt. Ich freue mich, dass sich mein langjähriger Einsatz für den Scheckkartenausweis jetzt auszahlt. Der neue Ausweis ist nicht nur handlicher, sondern erleichtert durch einen Zusatz in englischer Sprache endlich auch den Nachweis der Behinderung im Ausland. Außerdem ist er für Menschen mit Sehbehinderung dank eines taktilen Merkmals in Brailleschrift von den anderen Karten im Geldbeutel nun eindeutig zu unterscheiden“, so Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer heute.

Allein in Bayern leben derzeit über 1,1 Millionen schwerbehinderte Menschen, das sind über 9 Prozent der Bevölkerung. Und genauso viele Schwerbehindertenausweise sind in Bayern ausgestellt. Diese werden ab 2013 sukzessive auf das neue Format umgestellt. Haderthauer: „Die Länder haben zwar bis Ende 2014 Zeit, den neuen Schwerbehindertenausweis einzuführen. Wir wollen aber auch hier ein Zeichen setzen und starten bereits ab dem 1. Januar 2013 als eines der ersten Länder mit dem neuen Ausweis. Wichtig ist, dass alle vor dem 31. Dezember ausgestellten, alten Schwerbehindertenausweise weiterhin bis zum angegeben Gültigsdatum einsetzbar sind. Die Besitzer können, müssen diese aber nicht umtauschen.“

Ab Januar 2013 wird in Bayern nur noch der neue, handliche Schwerbehindertenausweis im Scheckkartenformat ausgegeben. Alte Ausweise einschließlich deren Beiblätter behalten ihre Gültigkeit, längstens bis zum Ablauf des auf dem Ausweis angegebenen Gültigkeitsdatums. Die Feststellung der Schwerbehinderung sowie die Ausstellung des Schwerbehindertenausweises erfolgt durch Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS). Nähere Informationen zum neuen Schwerbehindertenausweis einschließlich einer Musterkarte können Sie unter http://www.zbfs.bayern.de/schwbg/index.html abrufen.

Dr. Carolin Schumacher,
Pressesprecherin
Telefon: 089 1261-1577 oder -1477
Telefax: 089 1261-2078
E-Mail: presse@stmas.bayern.de

Super, dass man sich dort nicht darauf beruft, dass ja noch bis Ende 2014 Zeit ist, den neuen Ausweis einzuführen. Hoffentlich nehmen sich viele Bundeländer ein Beispiel daran und ziehen bald nach!

Schade – Neuer Behinderteausweis lässt noch auf sich warten

Im Frühling vergangenen Jahres hatte der Gesetzgeber beschlossen, dass es ab 2013 endlich einen neuen, kleineren Schwerbehindertenausweis geben soll. Allerdings gibt es eine Übergangsfrist bis 2015. Jedes Bundesland kann selber entscheiden, ab wann es die neuen scheckkartengroßen Ausweise ausgibt.

Eine Anfrage beim Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen von Schleswig-Holstein ergab, dass im nördlichsten Bundesland das Landesamt für soziale Dienste noch mit der Prüfung der „technischen Umsetzbarkeit des neuen Schwerbehindertenausweises“ befasst ist. Zum jetzigen Zeitpunkt könne noch keine Aussage über einen definitiven Ausstellungstermin getroffen werden. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei 2013 lediglich um eine Kann-Bestimmung handelt und dass der neue Behindertenausweis erst bis 2015 verbindlich eingeführt werden muss.

Es ist also noch nicht klar, wann in Schleswig-Holstein die Schwerbehindertenausweise endlich eine Größe haben werden, dass sie auch in die Geldbörse passen. Es gibt aber schon ein Merkblatt zu den neuen Ausweisen. Darin wird auch darüber informiert, dass die Wertmarke für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs,  Busse und Bahnen, ein neues Format – passend zum neuen Behindertenausweis – haben wird. Bereits ausgestellte Wertmarken behalten bis zu ihrem Ablauf aber ihre Gültigkeit. Das Merkblatt, das auch Bilder des neuen Behindertenausweises enthält, ist unter folgendem Link zu finden:

http://www.schleswig-holstein.de/LASD/DE/Download/MerkblattEinfuehrungSbAusweisImBankkartenformat__blob=publicationFile.pdf