Doch kein Märchen

Heute war verkaufsoffener Sonntag in Neumünster. Am Großflecken waren wieder einmal alle  Behindertenparkplätze belegt – von Falschparkern. Vier Behindertenparkplätze! Aber die netten Männer vom Ordnungsamt waren schon da und fleißig am Aufschreiben, Fotografieren und Dokumentieren. Ich erfuhr, dass auch die Abschlepper auch schon bestellt seien. Darauf warten konnte ich da natürlich nicht. Ich fand aber zweimal um die Ecke noch einen anderen Behindertenparkplatz. Da waren aber weitere andere Behindertenparkplätze auch von Falschparkern besetzt…. Weiterlesen

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Die Augen sind der Spiegel der Seele

Fotoausstellung „Mit anderen Augen“

Es sind die Augen. Augen sind der Spiegel der Seele, sagt der Volksmund. „Mit anderen Augen“ ist der Titel eines Fotoprojekts in der Psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt (Schön Klinik). Fotos fangen Augenblicke ein. Und es ist genau der Blick der Augen, die den Betrachter der Fotos packen. Es sind immer zwei Augenblicke derselben Person, die da neben einander gestellt sind. Und es ist beeindruckend, welche Veränderung zu sehen und möglich ist.

Ich habe kürzlich Chefarzt Dr. Bernhard Osen in der Schön Klinik in Bad Bramstedt getroffen und mich von ihm durch die Fotoausstellung im Foyer der Klinik führen lassen. Er hat das Projekt in Leben gerufen. Menschen mit psychischen Störungen – Essstörungen, Angst- und Zwangsstörungen oft zusammen mit Depressionen – kommen zu ihm in die Klinik. Es sind Menschen, die leiden unter ihrer Erkrankung – und häufig auch zusätzlich, weil die Umgebung sie entweder stigmatisiert oder, weil es schlicht nicht zur Kenntnis genommen wird, dass man krank sein kann, auch wenn von außen (vermeintlich) alles heil aussieht. Zu Beginn der Behandlung fotografiert Dr. Osen die Patienten, wenn sie damit einverstanden sind. Er hat dafür die Möglichkeit geschaffen, sein Büro mit wenigen Handgriffen zu einem Fotostudio zu machen. Er lässt die Patienten das fertige Bild betrachten und fragt sie, was sie auf dem Bild sehen. Neben den Fotos in der Ausstellung sind die Antworten auf diese Frage dokumentiert. Die Eigenwahrnehmung der Männer und Frauen ist dabei sehr stimmig zu dem, was die Bilder zeigen.

Tatsächlich sind es die Augen, ist es der Blick der Menschen, die die Angst, die Unsicherheit, den Zweifel, ein gewisses Gehetzt-Sein, Wut und Misstrauen aussprechen, das, was vergraben und verdrängt liegt und nagt und beißt. Deutlich wird das, wenn man dann das Foto daneben betrachtet, den Augen-Blick am Ende der Behandlung. Eine Zeit harter Arbeit, meist auf mühsamen und steinigen Wegen liegt hinter den Patienten. Sie haben viel über sich selbst gelernt und erfahren, haben daran gearbeitet, wie sie sich selbst und alles um sie herum wahrnehmen und einordnen, haben auch gelernt, besser auf sich zu achten und haben erste Schritte auf neuen Wegen gewagt. Trotzdem zeigt sich auf den zweiten Bildern keine Erschöpfung. Im Gegenteil, der Blick ist kraftvoller, zuversichtlicher, offener, selbstbewusster, zielgerichteter. Und aus den Augen strahlt Leben! Auch zum zweiten Foto gibt es jeweils einen kleinen Text von den Abgebildeten, der deutlich die Veränderung, die Entwicklung, dokumentiert.

Ich bin selber Ergotherapeutin von Beruf und habe auch schon häufig Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt. Im täglichen Umgang mit den Menschen sieht man die Veränderungen nicht oder nur selten so deutlich, weder als Therapeut noch als Betroffener. Darum war ich von dieser tollen Ausstellung zutiefst beeindruckt. Hinzu kommt, dass Dr. Osen über ein hervorragendes fotografisches Können verfügt. Die Bilder sind sehr schön, alle!

Für die Menschen, die da abgebildet sind, dokumentieren sie eine Entwicklung, eine Veränderung, und sind oft noch viel mehr, wie beispielsweise für Anne, die das erste Bild als Mahnung an sich selber benutzt, weil sie so nie wieder aussehen wolle, hat mir Dr. Osen erzählt. Sie sieht sich jetzt „Mit anderen Augen“.

Petition gegen Bluttest auf Trisomie 21

Seit kurzem ist in Deutschland, wie auch in diversen anderen europäischen Ländern, ein vorgeburtlicher Bluttest auf Trisomie 21, das Downsyndrom zugelassen. Damit lässt sich feststellen, ob das ungeborene Kind mit dieser Behinderung auf die Welt kommen wird.  Bisher musste für diese Feststellung eine Untersuchung des Fruchtwassers gemacht werden, die nicht ganz ungefährlich für das ungeborene Baby war. Eine Blutabnahme bei der Mutter hingegen ist für das Ungeborene  völlig ungefährlich. Sehr viele Eltern entscheiden sich für einen Abbruch der Schwangerschaft, wenn sie erfahren, dass ihr Kind das Down-Syndrom haben würde. Es wird also vor der Geburt aussortiert!

Weitere Gedanken dazu stehen auch weiter unten in diesem Blog unter der Überschrift „Aussortiert? Aktion T4 der Nazis damals, Präimplantationsdiagnostik und Trisomie21-Bluttest heute“

Das Projekt Ohrenkuss hat jetzt eine E-Petition auf den Weg gebracht, die noch bis zum 15.Oktober 2012 unterzeichnet werden kann. Mit der Petition soll erreicht werden, dass sich der Bundestag noch einmal mit dem Thema Bluttest auf Trisomie 21 beschäftigt und ihn möglichst wieder verbietet. Zur Petition geht es unter dem folgenden Link: https://epetitionen.bundestag.de/petitionen/_2012/_09/_04/Petition_35635.html
Wer übrigens glaubt, dass es richtig ist, schon vor der Geburt zu entscheiden, dass ein Mensch mit Downsyndrom gar nicht erst geboren werden sollte, dem empfehle ich dringend die Seite ohrenkuss.de . Hierbei handelt es sich um eine Zeitung, die von Menschen mit Downsyndrom erstellt wird.

 

Ich möchte hier am Schluss noch ein paar Verse aus dem Lied „Future“ von Leonard Cohen anfügen. Es ist von irgendwann Anfang der 1990er-Jahre:

Destroy another fetus now
We don’t like children anyhow
I’ve seen the future, baby:
it is murder

Krach-Mach-Tach 2012

Am 15. September werden wieder Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam durch die Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins Kiel ziehen und dabei ganz sicher nicht zu überhören sein: es ist nämlich wieder Krach-Mach-Tach! Mit selbstgebauten Krach-Mach-Geräten findet ein lauter Umzug zum Landeshaus statt, der um 11.00 Uhr auf dem Rathausplatz startet.

Krach-Mach-Geräte sollen von Gruppen behinderter und nicht behinderter Menschen gemeinsam gebaut werden. Erlaubt ist dabei fast alles, nur elektrische Verstäker, Motoren und Feuerwerkskörper dürfen nicht benutzt werden. Aber es gibt ja so viel anderes, was so richtig schön laut ist!

Weitere Informationen zum Krach-Mach-Tach gibt es auf der Internetseite

krachmachtach.de