Feueralarm im Hotel in London

Gleich vorweg – es war vermutlich nur eine Übung, als morgens um zwischen drei und vier Uhr der Alarm losheulte. Aber Übungen sind ja bekanntlich dafür da, dass man aus ihnen lernt.

Kurzurlaub in London. Eine Freundin hatte mir dieses schöne Hotel empfohlen. Es ist in den Buchungsportalen zwar nicht als barrierefrei ausgewiesen, bietet mir aber alles, was ich brauche.

Schon beim Einschecken ins Hotel war mit das erste, dass ich ein Formular ausfüllen musste, wo ich angeben musste, ob ich im Falle eines Feuers Hilfe bei der Evakuierung benötige und  dass mir gezeigt wurde, zu welchem Notausgang ich im Falle eines Falles gehen sollte – die Aufzüge darf man bei Feuer nicht benutzen. Im Falle einer Feuers sollte dann jemand vom Hotelpersonal da sein, um mir zu helfen. War aber nicht! Zum Glück kann ich die Treppe runterkrabbeln und ein anderer Gast hat meinen Rollstuhl getragen. Ich frage mich nun, was jemand gemacht hätte, der die Treppe nicht alleine schafft…. Klar auch dem hätten die anderen Gäste vermutlich irgendwie geholfen. Aber trotzdem finde ich es schwach, dass da niemand vom Hotel war oder von der Feuerwehr. Die Feuerwehr war auch nur mit einer Handvoll Leute und einem Fahrzeug angerückt. – Ich hoffe, dass das im Ernstfall anders wäre!

Sehr ruhig und geordnet kamen die Leute alle raus, so wie es sein sollte, ohne ihre ganzen Sachen mitzunehmen. Ein Paar war sogar barfuß. Ein Hotelmitarbeiter stand draußen in gelber Warnweste mit Walky talky und wies uns an, dass wir uns vom Gebäude entfernen sollten. Etwa fünfzig Meter weiter haben sich alle versammelt. Da standen wir also. Niemand vom Hotel kam, um sich einen Überblick zu verschaffen, ob alle draußen sind. Auch vonseiten der Feuerwehr kam niemand, um zu kontrollieren, ob alle das Gebäude verlassen haben.  Wie gesagt, vermutlich war es nur eine Übung. Aber damit soll ja der Ernstfall geprobt werden.

So einen Ernstfall habe ich vor zwei Jahren in Frankreich erlebt, in einem Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage. Der Ablauf dort war komplett anders, viel geordneter. Alle mussten auch da natürlich das Gebäude verlassen. Die Feuerwehr hatte das alles unter Kontrolle! Es gab eine klare Anweisung dazu, wo der Sammelpunkt ist.  Sehr schnell wurde damit begonnen, geordnet zu kontrollieren, ob auch wirklich alle draußen sind. Hierzu wurde jeder einzelne gefragt, aus welcher Wohnung er ist, wieviele Personen in der Wohnung waren und ob von denen alle draußen sind. Danach wusste die Feuerwehr genau, welche Wohnungen noch zu kontrollieren waren, ob da womöglich noch jemand Hilfloses drinnen ist. Parallel waren natürlich schon Feuerwehrleute mit der Erkundung und der Bekämpfung des Feuers im Aufzug des Hauses befasst.

Ich dachte, dass es so, wie ich es in Frankreich erlebt habe, Standard in Europa  ist. Heute habe ich erlebt, dass das nicht so ist. Ich stelle mir nun die Frage, was bei einem echten Feuer hier im Hotel gewesen wäre. Das Gebäude hat sechs Stockwerke! Es kommt in Hotels auch durchaus vor, dass mal Personen da sind, die nicht eingecheckt sind.

Warum Fülle ich beim Einschecken ein Formular aus, dass ich im Brandfall Assistenz brauche und dann ist aber keine da? Arbeitet die Feuerwehr in London anders (schlechter) als in Frankreich? Verlässt man sich einfach darauf, dass die Leute schon alle selber gucken, dass sie rauskommen? Zwischen drei und vier Uhr morgens könnte jemand, der vielleicht ein bisschen feiern war, durchaus auch noch in einem Zustand sein, dass er Hilfe benötigt und das Zimmer nicht selbständig verlässt.

Wie gesagt, ich vermute, dass es eine Übung war. Es gab keine sichtbaren Flammen und die ganze Sache war nach einer guten halben Stunde erledigt. Aber im Ernstfall hätte ich mir das anders gewünscht!

 

Ein Kommentar zu “Feueralarm im Hotel in London

  1. Ich fürchte, der Ernstfall würde wohl ähnlich ablaufen.
    Im Berufsförderungswerk Würzburg habe ich eine Evakuierung miterlebt. Erstens gab es vorher keine Infos darüber ob und wo man sich sammkeln müsse. Also bin ich in Richtung Ausgang gegangen und erfuhr dann so nebenbei, wo der Sammelplatz sei. (Ich war für ein Seminar dort). Und hinterher hat sich einer damit gebrüstet, dass er die ganze Zeit im Zimmer geblieben sei. Es gab also weder ein Gang um die einzelnen Stockwerke oder Bereiche freizumelden noch eine Zählung ob denn alle da seien. Das finde ich in einer solchen Unterkunft schon mehr als schwach. Es wurde bei der5 Begrüßung glaube ich nur auf den Alarmton hingewiesen. Als er dann aber ertöntwe, dauerte es einen Moment, bis ich begriff, dass das ein Alarmton gibt.
    Also auch in Deutschland ist nicht alles im Grünen. Auch bei Einrichtungen, die gerade auch mit sehbehinderten und blinden zu tun haben.
    Da sieht es an meinem Arbeitsplatz um einiges besser aus.

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