„Je öller, je döller“ – die beiden alten Männer in Wacken

Zugegeben, ich fand es auch drollig und habe es in Kombination mit unserem plattdeutschen Spruch „je öller, je döller“ auch auf Facebook geteilt: zwei alte Herren aus einem Altenheim in Dithmarschen waren in Wacken. Sie wurden von der Polizei aufgegriffen und in ihr Altenheim zurück gebracht. Sie wurden in ein Taxi gesetzt und von der Polizei mit einem Streifenwagen eskortiert, damit sie ja nicht wieder ausbrechen?

Wacken ist ein Rockfestival. Die Leute, die den Rock zuerst gelebt und gefeiert haben, sind heute alt. Sie mögen – welch Wunder – immer noch die Musik ihrer Jugend und die sie durch ihr Leben begleitet hat. Warum sollen sie nicht auch Lust auf Wacken haben?

Zum Problem wird die Lust auf tolle Veranstaltungen immer dann, wenn Menschen irgendwo vollstationär leben, ob nun der alte Mensch im Altenheim oder ein Mensch mit Behinderung in einer Wohneinrichtung. Die Selbstbestimmung der Bewohner unterliegt hier den Heimregeln sowie dem Dienstplan und der Lust und Laune der Mitarbeiter. Wer in einem Heim lebt, kann nicht alleine für sich entscheiden, dass er auf ein Konzert -oder eben nach Wacken – fährt. Das muss geplant und organisiert werden. Außerdem wird auch von anderen entschieden, ob er das überhaupt kann oder schafft. Noch schwieriger wird es, wenn eine Begleitung erforderlich ist. Veranstaltungen finden oft erst abends (Nachtdienstzeit) oder am Wochenende statt. Das bedeutet Mehrarbeit und Überstunden fürs Personal. Das Ergebnis ist meistens, dass der Bewohner auf die Veranstaltung verzichten muss.

Wir dürfen nicht vergessen, dass jemand, der in einer Einrichtung lebt, nicht entmündigt, dort kein Gefangener ist. Dieser Eindruck entsteht aber, wenn man an die Geschichte der alten Männer in Wacken denkt. Wie Ausbrecher aus dem Gefängnis werden sie von der Polizei zurück gebracht. Das sind erwachsene Menschen, die vermutlich in den 70, 80 Jahren ihres Lebens einiges auf die Beine gestellt haben. Man belächelt sie und macht sie zur Kuriosität. „Von wegen Volksmusik und Tanztee (…)“, heißt es in einem Zeitungsbericht.

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