Die Augen sind der Spiegel der Seele

Fotoausstellung „Mit anderen Augen“

Es sind die Augen. Augen sind der Spiegel der Seele, sagt der Volksmund. „Mit anderen Augen“ ist der Titel eines Fotoprojekts in der Psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt (Schön Klinik). Fotos fangen Augenblicke ein. Und es ist genau der Blick der Augen, die den Betrachter der Fotos packen. Es sind immer zwei Augenblicke derselben Person, die da neben einander gestellt sind. Und es ist beeindruckend, welche Veränderung zu sehen und möglich ist.

Ich habe kürzlich Chefarzt Dr. Bernhard Osen in der Schön Klinik in Bad Bramstedt getroffen und mich von ihm durch die Fotoausstellung im Foyer der Klinik führen lassen. Er hat das Projekt in Leben gerufen. Menschen mit psychischen Störungen – Essstörungen, Angst- und Zwangsstörungen oft zusammen mit Depressionen – kommen zu ihm in die Klinik. Es sind Menschen, die leiden unter ihrer Erkrankung – und häufig auch zusätzlich, weil die Umgebung sie entweder stigmatisiert oder, weil es schlicht nicht zur Kenntnis genommen wird, dass man krank sein kann, auch wenn von außen (vermeintlich) alles heil aussieht. Zu Beginn der Behandlung fotografiert Dr. Osen die Patienten, wenn sie damit einverstanden sind. Er hat dafür die Möglichkeit geschaffen, sein Büro mit wenigen Handgriffen zu einem Fotostudio zu machen. Er lässt die Patienten das fertige Bild betrachten und fragt sie, was sie auf dem Bild sehen. Neben den Fotos in der Ausstellung sind die Antworten auf diese Frage dokumentiert. Die Eigenwahrnehmung der Männer und Frauen ist dabei sehr stimmig zu dem, was die Bilder zeigen.

Tatsächlich sind es die Augen, ist es der Blick der Menschen, die die Angst, die Unsicherheit, den Zweifel, ein gewisses Gehetzt-Sein, Wut und Misstrauen aussprechen, das, was vergraben und verdrängt liegt und nagt und beißt. Deutlich wird das, wenn man dann das Foto daneben betrachtet, den Augen-Blick am Ende der Behandlung. Eine Zeit harter Arbeit, meist auf mühsamen und steinigen Wegen liegt hinter den Patienten. Sie haben viel über sich selbst gelernt und erfahren, haben daran gearbeitet, wie sie sich selbst und alles um sie herum wahrnehmen und einordnen, haben auch gelernt, besser auf sich zu achten und haben erste Schritte auf neuen Wegen gewagt. Trotzdem zeigt sich auf den zweiten Bildern keine Erschöpfung. Im Gegenteil, der Blick ist kraftvoller, zuversichtlicher, offener, selbstbewusster, zielgerichteter. Und aus den Augen strahlt Leben! Auch zum zweiten Foto gibt es jeweils einen kleinen Text von den Abgebildeten, der deutlich die Veränderung, die Entwicklung, dokumentiert.

Ich bin selber Ergotherapeutin von Beruf und habe auch schon häufig Patienten mit psychischen Erkrankungen behandelt. Im täglichen Umgang mit den Menschen sieht man die Veränderungen nicht oder nur selten so deutlich, weder als Therapeut noch als Betroffener. Darum war ich von dieser tollen Ausstellung zutiefst beeindruckt. Hinzu kommt, dass Dr. Osen über ein hervorragendes fotografisches Können verfügt. Die Bilder sind sehr schön, alle!

Für die Menschen, die da abgebildet sind, dokumentieren sie eine Entwicklung, eine Veränderung, und sind oft noch viel mehr, wie beispielsweise für Anne, die das erste Bild als Mahnung an sich selber benutzt, weil sie so nie wieder aussehen wolle, hat mir Dr. Osen erzählt. Sie sieht sich jetzt „Mit anderen Augen“.

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Ein Kommentar zu “Die Augen sind der Spiegel der Seele

  1. Die Ausstellung klingt ja super interessant! Toll, dass sich da jemand so etwas wunderbares für die Patienten hat einfallen lassen.

    Und du fasst das Ganze dann richtig schön in Worte 🙂

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