Doch nur eine leere Worthülse…

„Menschen mit Schwerbehinderung werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt “ – Hurra! Dann finde ich bestimmt ganz schnell Arbeit. Qualifiziert bin ich ja, außerdem auch up to date in Bezug auf Fort- und Weiterbildung.

Bevorzugt – wenn da nicht einer besser qualifiziert ist als ich, habe ich die Stelle. Toll! Wie gesagt, die Qualifikation ist ganz passabel, Erfahrung bringe ich auch mit. Zudem sollte man bei mir auch nicht mehr damit rechnen, dass ich noch mal schwanger werden will. Eltern, die mal pflegebedürftig werden könnten, habe ich nicht mehr. Die sind schon vor vielen Jahren verstorben. Alles eine Menge Pluspunkte!

Also ein kurzer Anruf beim potentiellen Arbeitgeber, um noch eine letzte kleine Frage abzuklären: Ich interessiere mich für die ausgeschriebene Stelle. Wie barrierefrei ist es denn bei Ihnen? Ich bin nämlich Rollstuhlfahrerin. – Schlucken und kurzes Herumdrucksen am anderen Ende der Leitung.  Nun ja, so wirklich barrierefrei ist das bei uns nicht….

Was für Leute mit Schwerbehinderung stellen die sich denn vor, die sie bevorzugt einstellen wollen? Nicht vorhandene Barrierefreiheit macht den Satz in der Stellenausschreibung doch zu einer Phrase ohne was dahinter, zu einer leeren Worthülse!

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Ein Kommentar zu “Doch nur eine leere Worthülse…

  1. Das gilt vielleicht im Öffentlichen Dienst, aber nicht in der Privatwirtschaft. Nach meiner Erkrankung war es ein harter Kampf, überhaupt meine bisherige Arbeit wieder aufzunehmen. Nicht nur, dass Barrierefreiheit ein Fremdwort war, auch die Behörden und Genossenschaft sind nicht gerade flexibel in punkto kurzfristiger Lösungsfindung.
    Ich kann sogar meinen Arbeitgeber verstehen, dass er nach Möglichkeit keine Menschen mit Behinderung einstellt, denn vieles außerhalb des Firmengeländes ist nicht durch ihn beeinflussbar. Zu häufig musste ich feststellen, dass eine Barrierefreiheit irgendwo theoretisch vorhanden ist, sie aber in Wirklichkeit nicht gelebt wird. So ist es mir nicht nur einmal passiert, dass vorhandene Behindertentoiletten dank ihrer großzügigen Platzverhältnisse als Lagerraum verwendet werden. Dass ich manchmal stundenlang nichts trinke, weil es gar keine entsprechenden Toiletten gibt, ist bereits Routine. Ich denke auch über die Parkplatzsituation vieleorts brauche ich kein Wort zu verlieren. Mir kommt es häufig eher so vor, als dass ich vielen in der Gesellschaft zur Last falle.

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