Heute ist Schietwetter, ich schreibe noch ein bisschen…

Tianjin ist eine riesige Stadt, ein bisschen wie ein Ameisenhaufen, zumindest wenn man den Straßenverkehr betrachtet. Es gibt eine Menge riesiger Wolkenkratzer und dazwischen wieder niedrigere Gebäude. Gleich unterhalb unseres Hotels befindet sich ein kleines Wohnviertel, mit winzigen Restaurants und kleinen Verkaufsständen, an denen es beispielweise frittierte Fleischspieße gibt. Die Gässchen sind eng und die Häuser klein. Alles wirkt ein bisschen düster. Aber hier wohnen die Chinesen.IMG_2247

Dann wieder gibt es eine riesige Fußgängerzone mit so ziemlich allen Bekleidungsladenketten und andern Läden, wie wir sie auch aus Europa kennen. Alles ist ziemlich groß und bunt, vor allem Werbetafeln. Von denen gibt es auch so gigantische, die leuchten und blinken und ihre Anzeige wechseln. Mir ist noch nicht so ganz klar, ob und wie sich die Chinesen es leisten können, in den Läden in der Fußgängerzone einzukaufen. Es gibt nämlich in den Vierteln abseits der großen Geschäftsstraßen auch unzählige kleine Läden, die ein bisschen an die türkischen Gemischtwarenläden bei uns in Deutschland denken lassen. Aber bisher konnte ich noch keinen Markt ausfindig machen, wo es Obst und Gemüse gibt.

Die U-Bahn, wenn ich den Plan richtig deute, sind es nur vier Linien, habe ich bisher noch nicht benutzt. An der Station gleich gegenüber von unserem Hotel funktioniert nämlich der Aufzug nicht. Außerdem weiß ich auch nicht, ob an einem möglichen Zielbahnhof überhaupt ein Aufzug wäre. Da nehme ich lieber ein Taxi. Taxi fahren ist für uns Europäer ziemlich billig. Eine Strecke bis zu drei Kilometer kostet gerade einmal acht Yuan, das ist umgerechnet rund 1, 20 Euro. Jeder Kilometer mehr kostet 1,70 Yuan. Das sind etwa 20 Cent.

Einen Tag sind mein Mann und ich am Fluss,IMG_2280 dem Hayhe, entlang in die Stadt gegangen. An einer Brücke wäre der Weg eigentlich über eine Treppe weitergegangen. Mit etwas runterbeugen, konnte ich im Rolli aber auch unter der Brücke durchfahren. Mein Mann musste sich da schon ein bisschen mehr ducken. In der Mitte war es dann etwas höher. Von unten war die Brücke komplett verkleidet. Aber an einigen Stellen fehlten ein paar von den Verkleidungsplatten und man konnte in das Innere gucken. Mein Mann meinte: „Ich guIMG_2279cke mir ja gerne mal so eine Brückenkonstruktion an“. Also inspizierte er ausgiebig die Verkleidungslücken. An dem einen Loch wollte ich gerade eher scherzhaft fragen: „Guckst du immer in anderer Leute Schlafzimmer?“ Ich hatte dort nämlich eine Decke liegen sehen. In dem Moment blickte unter der Decke ein verschlafenes Gesicht hervor. Ich war ziemlich überrascht. Immerhin ist China doch ein kommunistischer Staat. Da dürfte es doch eigentlich nicht solche Armut geben, dass jemand unter der Brücke leben muss – oder?

Aber so ganz verstehe ich das System sowieso nicht. Gerade hier im Hotel habe ich das Gefühl, dass es ganz krasse Hierarchien gibt. Volksrepublik stelle ich mir irgendwie anders vor.  Auch mit weniger Unterschieden zwischen arm und reich.  Wie passen da dieses Hochglanz-China auf der einen Seite und die niedrigen dunklen Gässchen mit kleinen Häusern auf der andern Seite dazu? Wie ich im vorigen Blog-Beitrag schon geschrieben habe, sind die Autos, die hier herumfahren alle ziemlich neu und modern. Andererseits gibt es aber auch unzählige Taxis,  die auch ständig unterwegs und meistens besetzt sind.  Ebenso werden die U-Bahn und die Busse reichlich genutzt, naja und dann eben die vielen, vielen E-Räder und –Roller. Es gibt diese Fahrzeuge auch als Dreiräder mit einer kleinen Ladefläche, die oft auch bis an die Grenzen aller Naturgesetze ausgenutzt wird. Wer sind die Leute mit den neuen modernen Autos? Und wer muss eben doch Bus, U-Bahn, Taxi oder E-Bike fahren?IMG_2345

Wer bestimmt, wer oben ist und wer unten? Was passiert da alles irgendwo hinter den Kulissen. Für uns sieht es so aus, als würden die Leute alle ein ganz normales Leben führen, als gäbe es keine Einschränkungen. Und dann schalte ich den Computer an und kann weder Google, noch Facebook oder Twitter nutzen. Auch andere Web-Sites sind einfach gesperrt und öffnen sich nicht.

Vor ein paar Tagen stand ich abends am Fenster unseres Hotels und dachte an die Menschen, die wegen unterschiedlicher Delikte, auch politischer, eingesperrt oder hingerichtet werden. Ich habe mich gefragt, ob es auch hier in Tianjin eine Hinrichtungsstätte gibt. Ist mir hier auf der Straße vielleicht schon jemand begegnet, der einen Erschießungsbefehl ausgeführt hat?  Ich weiß es nicht. Wie gerne würde ich mal wieder die Welt retten! Aber ich bin hier nur zu Gast in diesem Land. Ich könnte doch nichts ändern. Das müssten unsere Politiker tun und die Weltkonzerne, die hier inzwischen kräftig Geld verdienen, möglicherweise auch aufgrund von Zwangsarbeit. In der DDR hat es das gegeben, dass Strafgefangene Zwangsarbeit machen mussten auch für Westunternehmen. Ich denke, dass es hier nicht anders ist…

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