Mit Behinderung und Krankheit das Sozialsystem abzocken

Ich lebe gerne in Deutschland! Ich liebe dieses Land und seine sozialen Errungenschaften. Es ist nicht alles perfekt, aber im Großen und Ganzen funktioniert es. Wer krank ist, kann zum Arzt gehen, wer keine Arbeit hat wird von der Gesellschaft getragen. Das soziale Netz ist relativ eng geknüpft. Dass trotzdem einzelne durch die Maschen fallen, ist mir bewusst und die tun mir auch leid. Aber es gibt auch diejenigen, die mich wütend machen!

Unser Sozialsystem kann nur funktionieren, wenn alle mitmachen. Jeder, der in der Lage dazu ist, muss seinen Teil in das Sozialsystem einzahlen, in die Arbeitslosenversicherung, in die Pflegeversicherung, in die Rentenversicherung und in die Krankenversicherung, natürlich muss er auch seine Steuern zahlen. Aber oft werden Staat und Sozialsystem so fremd und so weit weg wahrgenommen – als ob man nichts damit zu tun hätte, als würde man da für jemand Fremden bezahlen. Aber der Staat sind wir selber und nicht irgendwelche Politiker in Berlin. Die entscheiden nur so gut es geht, wie das Geld verteilt wird. Auch zum Sozialsystem gehören wir selber – immer dann zum Beispiel, wenn wir zum Arzt gehen, wenn wir Kindergeld beziehen oder beim Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist doch erstaunlich, wie oft wir Geld oder Leistungen aus dem Sozialsystem erhalten. Trotzdem schimpfen die meisten darüber, wie viel sie in dieses System einzahlen müssen.

 Im Moment bin ich in einer Rehaklinik und bekomme sehr viel mit rund um die Themen Sozialleistungen und Rente. Offenbar sind Krankheit und Behinderung dazu da, daraus noch einenProfit ziehen zu können. Das soll jetzt nicht falsch verstanden werden(!): Wer krank ist oder behindert, hat ein Recht auf bestimmte Leistungen – dazu ist unser Sozialsystem ja auch da. Aber oft gehen die Wünsche und Ansprüche weit über das hinaus, was angemessen und berechtigt ist.

Richtig sauer hat es mich heute gemacht, als ein anderer Patient sagte, er wolle in Rente gehen, der aber im Alltag hier in der Klinik immer einen sehr fitten Eindruck gemacht hat. Um ein gutes Auskommen mit der Rente zu haben, würde er noch auf 400-Euro-Basis arbeiten gehen und eventuell zusätzlich noch schwarz arbeiten, meinte er.  Also ein offizieller 400-Euro-Job plus Schwarzarbeit – und der Mann ist nicht mehr erwerbsfähig?

Dann gibt es das Geschacher um den GdB, den Grad der Behinderung, als ob das eine Auszeichnung wäre. Der GdB soll dazu dienen, einen Ausgleich zu schaffen zwischen den Einschränkungen durch die Erkrankung oder die Behinderung im täglichen Leben und bei der Teilhabe und dem Leben eines Nichtbeeinträchtigten. Darum gibt es Steuererleichterungen, Erlass von GEZ-Gebühren oder KFZ-Steuererlass und die Fahrkahrte für den öffentlichen Nahverkehr für 60 Euro im Jahr. Das ist aber immer abhängig davon, wie stark die Beeinträchtigungen sind. Ein Insulinpflichtiger Diabetiker beispielsweise hat  einen GdB von 50, das heißt eine Schwerbehinderung. Das allein heißt aber noch nicht, dass er auch das Merkzeichen „G“ im Behindertenausweis bekommt. Dies geschieht aber, wenn er diabetsche Füße, eine häufige Komplikation der Erkrankung, bekommt. Kommt es in der Folge sogar zur Amputation von Füßen oder Beinen ist auch das Merkzeichen „aG“ berechtig. Mit dem kann er dann auch den blauen Parkausweis für Behindertenparkplätze beantragen. Darum ist diese Merkzeichen besonders begehrt.

Bevor ich selber krank wurde, habe ich mich nicht so sehr mit den Themen Behinderung und Rente in unserem Sozialsystem befasst, das war alles so weit weg. Ich wusste nur, das es bezüglich anderer Sozialleistungen eine Menge nebliger Sümpfe gibt, dass es Menschen gibt, die gemütlich in der sozialen Hängematte aus Sozialhilfe und Arbeitslosengeld schaukeln. Jetzt aber wird mir klar, dass es bezüglich der Erwerbslosenrente und der Leistungen wegen Schwerbehinderung ganz ähnlich aussieht. Hierin der Klinik wird auch mit Hilfe von Tests die Arbeitsfähigkeit und die Belastbarkeit ermittelt – „dann mache ich eben viel langsamer oder sage einfach, ich kann nicht mehr“, habe ich diesbezüglich schon von eigentlich sehr fitten Leuten (jeden Aben irgendwo was trinken gehen, immer auf die Sportgeräte oder ins Schwimmbad, randvoller Therapieplan) gehört. Ich hoffe nur für unser Solidarsystem, das Ärzte, Therapeuten und Pflegepersonal auch mitbekommen, was ich hier erfahre.

 

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