Inklusion und „besondere“ Menschen mit Behinderung

Eine Behinderung kann vieleUrsachen haben:

  1. genetische, das heißt sie ist vererbt,
  2. Schädigungen während der Schwangerschaft (pränatal), beispielsweise durch Gift, Alkohol, Drogen oder Medikamente,
  3. Schädigungen während der Geburt, beispielweise Sauerstoffmangel,
  4. Unfälle,
  5. Krankheiten,
  6. Misshandlung und Gewalt,
  7. Medikamente, Gift, Drogen, Alkohol,
  8. Fehler von Medizinern,
  9. und sicher auch noch andere.

An einigen dieser Ursachen für Behinderung können andere Schuld sein. Das ist schrecklich, denn durch einHandicap verändert sich das Leben des Betroffenen und gewöhnlich auch das der Menschen in seiner Umgebung und derer, die ihm nahestehen. Das ist aber immer so, Behinderung bedeutet, mit anderen Voraussetzungen leben zu müssen. Da ist es egal, ob jemand Schuld ist an der Behinderung oder nicht.

Aber wenn jemand Schuld ist, wird die Behinderung oft als viel schlimmer empfunden oder nach außen dargestellt. Der behinderte Mensch ist ein Opfer, beziehungsweise fühlt sich als Opfer oder will als Opfer wahrgenommen werden. Er kämpft um Anerkennung und er kämpft um Entschädigung, obwohl ihm das seine Unversehtheit auch nicht wieder zurückbringt. Aber er unterscheidet sich von anderen Behinderten, denn hätte er nicht den Unfall gehabt oder hätte die Mutter nicht während der Schwangerschaft gesoffen oder hätte der Arzt der Mutter doch in der Schwangerschaft nicht das Medikament verordnet oder wären die anderen Jugendlichen nicht so brutal gewesen……

Aber „hätte“ und „wäre“ verändern nichts an der Situation, dass der Mensch eine Behinderung hat. Er muss damit klarkommen und ebenso seine Mitmenschen. Wenn die Schuld anerkannt ist, führt das im besten Fall dazu, gegenüber anderen behinderten Menschen privilegiert zu sein, einige Vorteile zu haben, um viele Dinge nicht kämpfen und diskutieren zu müssen, vielleicht sogar durch eine Rente bis ans Lebensende gut versorgt zu sein.

Aber genau betrachtet sind doch nahezu alle behinderten Menschen nicht schuld an ihrem Handicap, auch wenn man sonst keinen Schuldigen finden kann.

Wie kann denn Inklusion funktionieren, wenn es schon innerhalb der Gruppe behinderterMenschen solche großen Unterschiede gibt?

Werden da nicht Kräfte und Fähigkeiten verschwendet, wenn immer wieder nach Anerkennung und Wiedergutmachung (die es auf finanziellem Wege sowieso nie geben kann) geschrien wird? Muss eine inklusive Gesellschaft sich nicht viel mehr dafür einsetzen, dass  die Lebensumstände für alle Menschen – ob nun mit oder ohne Behinderung, von jemand anderem verschuldet oder nicht, jung oder alt, krank oder gesund – so gut wie möglich sind? Oder sind Menschen, an deren Handicap jemand anders schuld ist, doch besondere Behinderte?

Ich habe hier meine Gedanken wieder gegeben, die mir durch den Kopf gingen, als ich erfuhr, dass die Bundestagsfraktion der Linken einen Antrag auf Veränderungen im Conterganstiftungsgesetz und weitere Maßnahmen gestellt hat. Unter anderem, weil es immer noch Versorgungsdefizite geben soll. Aber das betrifft andere Menschen mit Behinderung doch genauso, ob es nun um Hilfsmittel, Wohnung, einen Arbeitsplatz, Assistenz, Therapien und, und, und geht. Viel hängt von den jeweiligen Kostenträgern und den gerade zuständigen Sachbearbeitern ab, aber auch wie gut informiert die Betroffenen selber und ihre Helfer sind.

Gerne würde ich über diese Gedanken diskutieren und würde mich über interessante Kommentare freuen. Vielleicht gehen meine Gedanken ja auch in die falsche Richtung (?).

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