Tabuthema Missbrauch und Misshandlung – ich greife es wieder auf

Es ist schlimm genug, wenn ein alter Mensch seine gewohnten vier Wände verlassen und in ein Pflegeheim ziehen muss. Auch die Angehörigen machen sich diese Entscheidung gewöhnlich nicht leicht. Der Wunsch und die Hoffnung sind groß, dass Pflege, Betreuung und Versorgung dann wenigstens gut sind. Immerhin kostet so ein Heim ja auch viel Geld. Geld, das häufig durch den Verkauf des in einem lange Leben aufgebauten Häuschens überhaupt erst da ist.

Oft muss es ganz schnell gehen, dass ein Platz in einem Pflegeheim gefunden wird, meistens nach einem Sturz, einer schweren Krankheit oder, wenn eine Demenz das Alleine Leben unmöglich macht. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, im Vorwege zu erkennen oder zu erfahren, ob ein Heim gut ist. Am besten ist es natürlich, sich durch mehrere Besuch zu unterschiedlichen Zeiten selber ein Bild zu machen und dabei auch mit Bewohnern und deren Angehörigen zu sprechen. Schwierig ist das, wenn die Zeit dazu fehlt. Da wird dann auch mal nach der Bewertung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) geschaut.

Ein Bericht in derNDR-Sendung Panorama am 11.Oktober 2012 (http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2012/pflegemaengel103.html ) zeigt aber, dass auch das nicht sehr zuverlässig ist. Hamburgs größtes Unternehmen in dem Sektor „Pflegen und Wohnen“ war vom MDK mit „sehr gut“ bewertet worden. Und doch kam es laut Panorama in deren Heimen zu grauenhauften Vorfällen, die der Geschäftsführer von Pflegen und Wohnen vor laufender Kamera nicht einmal abgestritten, sondern für sich selber ganz schlüssige Erklärungen dafür hatte. Panorama berichtete von einer bettlägrigen alten Dame, deren Bett mehrfach soweit von der Wand weggeschoben wurde, dass sie nicht mehr an die Notklingel herankam. Ein alter Herr, der nicht mehr ohne Hilfe essen und trinken konnte, war so stark ausgetrocknet, dass seine Angehörigen ihn ins Krankenhaus bringen lassen mussten. Die Erklärung des Geschäftsführers dazu: Manche alten Menschen würden aufhören zu essen und zu trinken oder die Nahrungsaufnahme verweigern, weil sie sterben wollen. Kommentar des alten Herrn, der inzwischen wieder von seiner Ehefrau und einem Pflegedienst versorgt wird: „Ich will nicht sterben!“

Das war nun ein Heim, das der MDK mit „sehr gut“ bewertet hat. Wie sieht es denn dann in anderen Heimen aus, die schlechter bewertet worden sind?

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Ein Kommentar zu “Tabuthema Missbrauch und Misshandlung – ich greife es wieder auf

  1. Das Thema Pflegeheim ist leider auch bei mir in Österreich ein trauriges. Gerade in den letzten Jahren gab es zu viele grausige Vorkommnisse in kleinen privaten aber, umso schlimmer, auch in größeren staatlichen. Von in zwei dicken, schlecht angelegten und viel zu großen Windeln täglich, mit schweren Medis ruhiggestellt in der Ecke plaziert bis zu völlig wundgelegenen pilzverschorften Apaliker seit Stunden im eigenen Dreck liegend, von zufälligem Besucher so aufgefunden bis zur vergewaltigten(!) neunzigjahriger Frau gab es alles.
    An allem sei die Überforderung schuld, Personaleinsparungen, Materialeinsparungen Sparerei und Streichungen überall und an allem. Mag zum Teil sogar stimmen, doch nicht für alles.
    Da werden zig Milliarden freudig unwiederbringlich in fremde Länder und betrügerische Banken verschenkt und dann einige Millionen im Sozial-und Gesundheitsbereich unbedingt nötig eingespart – das verstehe wer will, ich nicht.

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