Behinderungen beim Einkaufen

Menschen mit Handicap sind offenbar keine Kunden. Jedenfalls nicht in normalen Geschäften – vielleicht ja im Internet. Aber nein, auch da ist es mitunter schwierig, einen Einkauf zu tätigen. Barrieren  oder Be- beziehungsweise Verhinderung gibt es überall. Das fängt an mit sichtbaren Barrieren wie beispielsweise Stufen am Eingang, die schon mit einem Rollator schwer zu überwinden sind und mit dem Rollstuhl für ungeübte immer bedeuten, dass sie um Hilfe bitten müssen, insbesondere dann wenn die Tür zusätzlich noch besonders schwer ist. Auch Rampen sind manchmal leider nur gut gemeint, weil sie aus Platzgründen viel zu steil sind.  Unübersichtlichkeit oder komplettes Umstellen von Regalen und Waren vor allem in größeren Supermärkten und Discountern macht Menschen mit Einschränkungen in der Orientierung oder mit einer Sehschädigung das Leben schwer. Dazu kommt noch, dass häufig zu wenig Personal da ist, das um Hilfe gebeten werden könnte. Kopfschütteln und Achselzucken sind oft die Antwort auf die Frage, ob es eine Toilette gebe. „Wir haben nur eine Personaltoilette und da darf ich Sie nicht drauf lassen“. Eine Situation, die auch so manche hochschwangere Frau schon erlebt hat, die sich dann irgendwo am Ende des Parkplatzes im Gebüsch erleichtert hat. Auch einige invalidisierende Krankheiten machen es erforderlich, schnell ein Örtchen aufsuchen zu können.

Trotz aller Wünsche nach Inklusion ist es natürlich nicht möglich, von heute auf morgen alle Einkaufsmöglichkeiten barrierefrei zu machen und doch ließe sich Vieles mit geringem Aufwand verbessern. Das fängt an mit den Behindertenparkplätzen, die manchmal sogar vorhanden sind, aber an ungünstiger Stelle oder mit Pflastersteinen als Untergrund oder viel zu schmal. Warum werden nicht einfach mal behinderte Kunden gefragt, wie und wo sie den Behindertenparkplatz bräuchten? So wie es ist, wirkt es oft gewollt und nicht gekonnt. Im April 2009 war Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange Behinderter, beispielsweise hocherfreut darüber, dass ein Lidl-Markt in Unna in seinem Wahlkreis (Hüppe ist Mitglied des Bundestags für die CDU) die Behindertenparkplätze behindertenfreundlicher angeordnet hat.  Sollte es nicht selbstverstänlich sein, dass Behindertenparkplätze behindertenfreundlich sind?

Das nächste Problem ist die Unübersichtlichkeit vor allem in Supermärkten. Natürlich sollen die Leute kaufen und sie sollen das Gefühl haben, dass es alles gibt und alles in unbegrenzter Menge. Aber leichter wird das Einkaufen dadurch nicht – erst recht nicht für Menschen, die in ihrer Wahrnehmung oder der Orientierung eingeschränkt sind. Sehr lange und hohe Regalreihen erschweren es die Ware zu finden. Wenn dann ein ganzer Laden komplett umgeräumt wird (hier bei uns gerade AldiNord und Penny), ist es schon für einen Menschen ohne Einschränkungen schwierig. Ein Blinder oder Sehgeschädigter muss sich mit Hilfe einer Begleitung komplett neu orientieren und sich die neuen Plätze neu einprägen. Ähnlich ist es, wenn bei Waren die Verpackung geändert wird.

Ein Problem, dass einigen Drogeriemärkten schon aufgefallen ist, ist die geringe Schriftgröße auf vielen Artikeln. Mit einer ständig älter werdenden Bevölkerung ein Problem, dass nicht zu vernachlässigen ist. Wird doch mit zunehmendem Alter fast jeder weitsichtig. Besagte Drogeriemärkte wussten sich auch zu helfen: Sie haben an ihren Einkaufswagen Lupen angebracht. Es wäre doch hilfreich, wenn es das auch im Supermarkt gäbe. Auf Medikamentenpackungen steht zumindest der Name der Medizin auch in Blindenschrift. Warum nicht auch auf der Kekspackung oder den Cornflakes.

Einkaufswagen! Es gibt sie häufig als kleine Autos für Eltern mit Kindern oder im Miniformat, damit die Kinder selber schieben können oder sogar mit einem Platz für den Babysitz aus dem Auto. Das ist nichts Ungewöhnliches mehr. Die Mini-Einkaufswagen gab es sogar schon vor über 30 Jahren. Aber es gibt auch Einkaufswagen für Menschen mit Gehbehinderung. Da gibt es zum einen die, die wie ein Rollator benutzt werden können und eine kleine Sitzfläche haben. Und dann gibt es die für Rollstuhlfahrer. Davon gibt es unterschiedliche Modelle. Einmal den Wagen der vom Rollifahrer geschoben wird, während er selber geschoben wird oder den Wagen der über eine augeklügelte und trotzdem einfache Befestigung verfügt, mit der er vorne an den Rollstuhl geklemmt wird. Der Rollifahrer hat damit die Hände zum selber fahren frei. Leider sind diese Einkaufswagen noch nicht sehr weit verbreitet, obwohl sie doch sicher gut fürs soziale Image eines Geschäftes wären.

Hilfreich in jedem Geschäft wäre auf jeden Fall nicht nur für Kunden mit Handicap ausreichend freundliches, gut ausgebildetes und hilfsbereites Personal, dass nicht zu aufdringlich und vor allem frei von Vorurteilen ist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s